"Google ist eine deutliche Gefahr für Microsoft bei Kommunikation, Kooperation sowie Produktivitätsdiensten", schreibt das Marktforschungsunternehmen Forrester in einer Notiz. Nach Angaben aus informierten Kreisen wird 1&1 webbasierte Dienste wie E-Mail, Kontakte oder Termine zur Miete über das Web anbieten. Nach dem Deutschlandstart will das Unternehmen, das zu den weltgrößten Webhostern gehört, das Angebot seinen Kunden in aller Welt anbieten. Ein Sprecher von 1&1 wollte das am Donnerstag nicht kommentieren. Das Internetunternehmen ist derzeit neben Deutschland in Frankreich, Großbritannien und den USA aktiv.
Für Google markiert der neue kostenpflichtige Dienst zudem den Schritt in ein Geschäftsfeld, das sich zu einem ernsthaften Umsatzlieferanten entwickeln könnte. Bislang erwirtschaftet der Konzern deutlich mehr als 90 Prozent mit Internetwerbung. "Für uns ist das ein sehr wichtiges und sehr strategisches Geschäft", sagte am Donnerstag ein Google-Sprecher. Firmen wie Zoho.com oder Thinkfree.com bieten bereits ähnliche Dienste an.
Die Verlagerung der Unternehmenssoftware von Computern in das Internet ist eine der lukrativsten Wachstumsmöglichkeiten für Softwarekonzerne. Lag der Anteil internetbasierter Unternehmenssoftware am Gesamtmarkt 2005 bei fünf Prozent, werden es nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Gartner 2011 bereits 25 Prozent sein. Vor allem die Verwaltung von Kundendaten hat eine Vorreiterrolle. Anbieter wie Salesforce.com und Rightnow haben in den vergangenen Jahren regelmäßig hohe zweistellige Zuwachsraten verzeichnet. Unternehmen wie Microsoft, IBM, Google und 1&1 drängen daher mit ihren Anwendungen in das Internet.
Google bietet mit Google Apps Premier Edition ein Paket aus E-Mail, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Kalender sowie unter anderem Internettelefonie an. Nutzer müssen je Arbeitsplatz 38 Euro im Jahr zahlen. Dafür bietet Google neben einem größeren Speichervolumen als bislang eine technische Unterstützung rund um die Uhr. Das Angebot von 1&1 umfasst hingegen Funktionen ähnlich wie Microsoft Outlook: E-Mail, Termin- und Aufgabenverwaltung sowie Adressbücher. Zudem können Dokumente auf Webservern gespeichert werden. Der Service soll nach FTD-Informationen deutlich unter 10 Euro je Nutzer im Monat kosten. Das deutsche Unternehmen will damit vor allem bei kleineren und mittleren Unternehmen um Kunden werben, heißt es.
Microsoft erwirtschaftet mit seinen Office-Anwendungen etwa ein Viertel seines Jahresumsatzes von zuletzt 44,3 Mrd. $. Der Anteil des Softwarepakets am operativen Jahresgewinn von 16,5 Mrd. $ liegt bei etwa 50 Prozent. 2005 lag der Marktanteil von Microsoft bei diesen Anwendungen laut den Marktforschern von Gartner weltweit bei 97,7 Prozent.
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