Leitartikel
Der Internetkonzern macht seinen Kartendienst für Unternehmen kostenpflichtig. Bezahlen für einen guten Dienst - eigentlich völlig normal in einer Marktwirtschaft. Google widerspricht damit aber seinen bisherigen Prinzipien.
Das Bemerkenswerteste an der neuen Bezahlschranke für Google Maps ist wohl, dass man sie aus Nutzersicht überhaupt bemerkenswert findet. Denn um es mal nüchtern zu betrachten: Der Internetkonzern hat einen hervorragenden Kartendienst aufgebaut und verlangt für dessen Nutzung nun Geld - nicht vom einfachen Surfer, wohl aber vom Unternehmen, das Google Maps ins eigene Angebot einbaut. Geld für eine gute Leistung, eigentlich die natürlichste Sache der marktwirtschaftlichen Welt.
Screenshot der maps.google.com
Eigentlich. Denn Google hat im Netz wesentlich dazu beigetragen, dass sich eine Kultur entwickelt, in der es nicht natürlich ist, für eine Leistung zu bezahlen. Damit legte der Konzern den Grundstein für gigantisches Wachstum und seine Marktmacht. Das kostenlose Angebot war ein klarer Wettbewerbsvorteil. Darauf haben sich auch Unternehmen verlassen, für deren Geschäftsmodell die kostenlose Nutzung von Google Maps wesentlicher Erfolgsfaktor ist und die nun in Bedrängnis geraten könnten.
Google wird auch die eigene Herangehensweise ändern müssen. Bislang folgte es seinem Prinzip, erst einmal zu machen und später mögliche Fragen zu klären. Strittige Projekte wie die Panorama-Straßenansicht Street View und die Digitalisierung von Büchern weltweit rechtfertigte der Konzern immer auch mit dem Hinweis, dass man damit der Allgemeinheit einen Dienst erweise. Diese Behauptung lässt sich nicht ohne Weiteres halten, wenn für den erwiesenen Dienst Geld verlangt wird.
Dennoch wagt Google hier einen wichtigen Schritt. Zum einen dürfte er im Sinne der Investoren sein, die dem Unternehmen vorwerfen, sich zu sehr auf die Werbeeinnahmen zu verlassen. Zwar verteidigt Google auch diesen Markt gegen starke Wettbewerber wie Facebook durch neue Produkte. Im Wesentlichen ist Google aber eine Suchmaschine mit angeschlossenen Zusatzdiensten. Es ist aus Konzernsicht nur stringent, damit auch Geld zu verdienen.
Und im Idealfall wird nicht nur Google zu mehr Einnahmen kommen. Denn der Internetkonzern könnte schaffen, woran andere Unternehmen seit Jahren verzweifeln. Etwa Medienverlage, die für journalistische Recherchen ebenfalls den entsprechenden Gegenwert einfordern wollen. Es braucht möglicherweise eine große Macht wie Google, um Tatsachen zu schaffen.
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