Auf den ersten Blick scheint
Google nichts an Attraktivität für Toptalente eingebüßt zu haben. Vergangenes Jahr vergrößerte sich die Belegschaft um über 6000 auf 16.805 Mitarbeiter. Selbst ehemalige Angestellte loben weiter die anregende Firmenkultur, die gute Bezahlung und die luxuriösen Zusatzleistungen. Doch gerade einige altgediente Google-Mitarbeiter spüren einen Wandel. Zwei seiner größten Reize hat das Unternehmen mittlerweile eingebüßt: den "Nichts ist unmöglich"-Geist des Start-ups und die Möglichkeit, reich zu werden.
"Der finanzielle Anreiz, im Unternehmen zu bleiben, hat sich mit der Zeit verringert", sagt Chris Sacca. Der ehemalige Leiter der Mobilfunkinitiative Googles verließ das Unternehmen in diesem Jahr, nachdem die Sperrfirst auf seine Aktienoptionen abgelaufen war. Aber auch die wachsende Organisationsstruktur sei ein wichtiger Grund für seinen Abgang gewesen, sagt der Manager. "Wenn Firmen wachsen, wird man immer mehr gebeten, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Ich mag ein Start-up-Umfeld, in dem alle - unabhängig von der Jobbeschreibung - ein gemeinsames Ziel verfolgen", beschreibt er seine Beweggründe.
Kursverluste mit psychologischen Auswirkungen
Google hat hier nur einen begrenzten Handlungsspielraum. Seit November verlor der Aktienkurs 37 Prozent. Als Reaktion auf den Verfall schüttet das Unternehmen nun zum Teil Belegschaftsaktien aus, die auch bei sinkenden Kursen noch etwas wert sind. Großzügige Bargeldboni gab es bei Google ohnehin schon immer.
Doch die psychologischen Auswirkungen des sinkenden Aktienkurses sind unverhältnismäßig groß. Die Wahrnehmung Googles verschiebe sich, beobachtet ein Medienmanager. Daran würden auch die weiterhin starken Geschäftszahlen nichts ändern.
"Die Stimmung verändert sich abhängig vom Aktienkurs, von dem, was in der Zeitung steht, und von dem, was auf Cocktailpartys erzählt wird", sagt der Manager. Google habe als Talentmagnet an Reiz verloren, resümiert er.
Die Kursentwicklung zeigt auch intern Wirkung. "Bei Google kommen viele Leute direkt von der Schule, und die hatten noch nie mit einem sinkenden Aktienkurs zu tun", sagt Sacca.
Das Spannungsfeld ist nicht neu
Büßt Google tatsächlich an Attraktivität als Arbeitgeber ein, wirft das eine wichtige Frage auf: Wie will das Unternehmen die richtigen Talente anlocken und halten? Doch nicht alle sehen das als Problem. Es würden zwar einige Mitarbeiter aus der Frühphase gehen, weil sie lieber in risikoreicheren Firmen arbeiten wollen. Doch dafür locke man eine andere Art Manager an, die Stabilität mehr zu schätzen wissen, so ein Google-Manager.