Nach dem Ausstieg von Oracle suchen die Entwickler nach wie vor nach einem Investor für die freie Bürosoftware Open Office. "Es muss Ersatz her, sonst ist die Fortentwicklung gefährdet", sagte Götz Wohlberg vom Verein Team Openoffice.org am Montag der FTD. Die Entwickler starten deshalb jetzt einen Spendenaufruf.
Open Office ist eine so genannte Open-Source-Software, für die keine Lizenzkosten anfallen. Viele kleinere Unternehmen und Behörden - darunter zum Beispiel die Stadtverwaltung in München - sind in den vergangenen Jahren auf die kostengünstigere Bürosoftware umgeschwenkt. Open-Source-Projekte leben vom Engagement ehrenamtlicher Entwickler, den professionellen, kostenpflichtigen Support übernehmen meist Softwarekonzerne. Da die Software nicht verkauft wird, lassen sich Marktanteile nur schätzen.
Nach Untersuchungen des Marktforschers Webmasterpro war Open Office Anfang 2010 in Deutschland auf 21,5 Prozent der internetfähigen PCs installiert, Microsoft Office kam auf 72 Prozent. Allerdings war das vor der Übernahme durch Oracle. Der US-Konzern Oracle kaufte vergangenes Jahr den Server-Konzern Sun, zu dem Open Office gehörte. Nach einem guten Jahr Stillstand gab Oracle den Programmcode an die Apache Stiftung, die 100 Entwickler, die sich bei Oracle um das Projekt kümmerten, haben nach FTD-Informationen inzwischen ihre Kündigungen erhalten, viele sind zu anderen Arbeitgebern gewechselt. Oracle wollte sich dazu nicht äußern.
Einige der Entwickler versuchen mit dem Verein Team Openoffice.org das Projekt am Leben zu erhalten. Weil bislang ein Geldgeber fehlt, hoffen die Entwickler jetzt auf Spenden von Kunden. Die Software bleibe kostenlos, betont Wohlberg: "Wir wollen über Spenden die Fortentwicklung sicherstellen und auch Vollzeitentwickler bezahlen können." Die Zeit drängt, die Kunden warten auf eine längst fällige, neue Version: "Unsere Firmenkunden sind in hohem Maße verunsichert, das müssen wir ändern."
Open Office hat zwar mächtige Fürsprecher: IBM hat auf Basis von Open Office ein Programm namens Symphony entwickelt und Teile des Codes der Apache-Stiftung zur Verfügung gestellt. Direkt unterstützt IBM Open Office aber bislang nicht.
Konkurrenz kommt hingegen aus den eigenen Reihen. Nach der Übernahme durch Oracle kehrten viele ehrenamtliche Programmierer dem Projekt den Rücken und entwickelten die Software unter dem Namen Libre Office weiter. Mit Erfolg: Unter anderem zwei Vertreiber des Betriebssystems Linux, die Firmen Novell und Redhat, schwenkten auf Libre Office um.
Auch große Open-Office-Kunden Kunden bringen bereits Libre Office ins Spiel. Oliver Altehage, der bei der Stadt München die Open-Office-Einführung betreut, sagte: Sollte die Weiterentwicklung weiter stocken, werde man auch über einen Wechsel nachdenken. Es bestehe aber kein Handlungsdruck: "Wir haben jetzt den Stand, den wir für die nächsten zwei Jahre brauchen."