Finanzkreisen zufolge haben Apollo, Avenue Capital und Octavian bedeutende Positionen von Krediten der Pro-Sieben-Sat-1-Holding Lavena aufgekauft und sich zudem die Unterstützung weiterer Lavena-Gläubiger gesichert.
Den Informationen zufolge vertreten die drei Hedge-Fonds etwa drei Viertel der besicherten Kredite (Senior-Kredite) der Lavena. Damit droht den Pro-Sieben-Sat-1-Haupteignern KKR und Permira eine lange Schlacht, um die Kontrolle über die TV-Kette doch noch zu behalten. In Lavena haben KKR und Permira ihre 88 Prozent der Stamm- und 25 Prozent der Vorzugsaktien, entsprechend 56,7 Prozent des Grundkapitals, gebündelt. Durch den Kursverfall der Pro-Sieben-Sat-1 -Aktie seit dem Einstieg der Investoren Ende 2006 ist die mit Krediten von 1,8 Mrd. Euro beladene Lavena überschuldet. Deshalb hatten KKR und Permira die US-Investmentbank Houlihan Lokey als Berater beauftragt.
Welche Strategie die drei Hedge-Fonds verfolgen, ist bislang unklar. Sie haben die auf solche Fälle spezialisierte britische Kanzlei Bingham mandatiert, die KKR und Permira bereits angeschrieben hat. Es gehe darum, Gespräche zu führen und sich über die jeweiligen Vorstellungen auszutauschen, hieß es in Kreisen der Beteiligten. "Der Dialog hat noch nicht begonnen."
Die besicherten Kredite von Lavena werden Finanzkreisen zufolge derzeit mit 20 bis 25 Prozent ihres Nennwerts gehandelt - deutlich höher als vor einigen Wochen. Denn die Preise am Sekundärmarkt für Kredite sind deutlich gestiegen. Dort verkaufen Banken Kredite, um ihre Bilanzen zu entlasten; der Markt ist aber vor allem ein Tummelplatz für Hedge-Fonds, die auf kurzfristige Gewinne spekulieren.
Nach Einschätzung von Marktkennern haben Apollo, Avenue und Octavian die Lavena-Darlehen über viele Monate aufgekauft und zumindest zu Beginn noch Preise von 70 bis 80 Cent je Euro Nennwert gezahlt. Den Hedge-Fonds kommt es in den Gesprächen mit KKR und Permira darauf an, einen möglichst hohen Wert für sich herauszuhandeln. Bankern zufolge dürften in den kommenden Monaten verschiedene Szenarien diskutiert werden. So könnten KKR und Permira den Hedge-Fonds die Schulden abkaufen. Die noch im April bestehende Hoffnung von KKR und Permira, 1 Mrd. Euro Lavena-Schulden für nur 250 Mio. Euro ablösen zu können, dürfte mit dem Schulterschluss der Hedge-Fonds aber kaum mehr zu realisieren sein. Möglich wäre auch eine Kombination: KKR und Permira könnten Eigenkapital nachschießen, im Gegenzug könnten die Hedge-Fonds auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und womöglich einen Teil der Kredite in Lavena-Anteile tauschen. Bei jeder dieser Lösungen müssen KKR und Permira dreistellige Millionenbeträge investieren, um die Mehrheit an Lavena und damit die Kontrolle über Pro Sieben Sat 1 zu behalten, wird in Finanzkreisen geschätzt.
KKR hatte jüngst bereits die eigenen Investoren um mehr Geld gebeten: Einzahler für einen schon voll ausgeschöpften Beteiligungsfonds sollten bis zu 730 Mio. Euro für einen Ergänzungsfonds bereitstellen. Dieses Geld soll auch für Pro Sieben Sat 1 investiert werden. Permira hat noch Reserven: Der aktuelle Fonds der Beteiligungsgesellschaft mit einem Volumen von 9,6 Mrd. Euro ist erst zur Hälfte ausgegeben. "Beide sind bereit, signifikante Beträge zu investieren", heißt es in Marktkreisen.
KKR und Permira haben stets betont, dass sie Pro Sieben Sat 1 als langfristige Beteiligung ansehen: Die 2007 beschlossene Integration mit der Luxemburger Sendergruppe SBS werde erst in drei bis fünf Jahren ihre volle Wirkung entfalten, hatte es geheißen. Am Dienstag lehnte KKR einen Kommentar ab, Permira war nicht zu erreichen.
Pro Sieben Sat 1 legt am Donnerstag Zahlen für das erste Quartal vor. Analysten erwarten, dass der Konzern wegen der Werbekrise einen mehr als zehn Prozent niedrigeren Umsatz und einen höheren Verlust als bislang schon ausweist. Die Schulden der Fernsehgruppe von 3,4 Mrd. Euro sind Finanzkreisen zufolge unter über 100 Gläubigern breit gestreut. Auch dort hätten bereits Hedge-Fonds Positionen aufgebaut.