Innenminister Otto Schily
Holprig wie die Vorbereitung ist auch der Versuch von Innenminister Otto Schily und BDI-Vizepräsident Michael Rogowski, die Webseite der Initiative www.land-der-ideen.de zu starten. Nach vergeblichen Anläufen schaffen es die beiden endlich, die Maus des Computers richtig auf dem Bildschirm zu platzieren. Holprig scheint überhaupt das Motto dieser Initiative zu sein, die in den Mühlen der Politik ganz zu scheitern drohte.
BDI-Vizepräsident Michael Rogowski muss bei der Präsentation am Dienstag in Berlin einräumen, dass die Industrie die von ihr zugesagten 10 Mio. Euro immer noch nicht beisammen hat. Zwar zeigt er sich optimistisch, dass dies in den kommenden Wochen gelingen wird. Zugleich macht er aber deutlich, dass die Suche nach Partnern mühsam ist. "Projekte dieser Art sind immer Hürdenläufe", sagt er. Erst wenn die Industrie ihre Zusage erfüllt hat, wird auch der Bund die von ihm zugesagten 10 Mio. Euro freigeben.
Bisher wurden zehn Unternehmen - darunter BASF, die Deutsche Bank, die Deutsche Börse, Eon, die Lufthansa und die Deutsche Telekom - gewonnen. Mit weiteren 30 Firmen sei man im Gespräch, in zehn Fällen seien die Verhandlungen in einem fortgeschrittenen Stadium. Rogowski hofft, dass dabei mehr als die zugesagten 10 Mio. Euro aufgebracht werden.
Wahltermin nimmt politische Brisanz
Lange Zeit zögerten die Unternehmen, weil sie befürchteten, im Jahr 2006 als Wahlkampfhelfer für die SPD missbraucht zu werden. Auch die Union witterte eine Wahlkampagne zu Gunsten der Regierung. Erst als die Bundesregierung neben ihrer Haus-Werbeagentur Zum goldenen Hirschen auch die Agenturen Scholz and Friends und Lowe beteiligte, stellte die Union ihre Bedenken zurück. Scholz and Friends verfügt über gute Kontakte zur Union.
Politische Brisanz verlor das Vorhaben auch durch die geplante Neuwahl des Bundestags am 18. September. Der größte Teil der Aktionen ist für 2006 geplant. Kernstück des Vorhabens ist die Aktion "365 Orte im Land der Ideen", bei der an jedem Tag des kommenden Jahres eine besondere Erfindung oder Idee präsentiert werden soll. In Berlin wird es zudem einen "Walk of Ideas" geben, wo Erfindungen aus Deutschland - zum Beispiel der Stollenschuh - als Skulptur dargestellt werden.
Deutschland nicht auf Fußball reduzieren
Immerhin ist hier eine Verbindung zum Fußball erkennbar, was ansonsten nicht für die Kampagne gilt. Ziel sei es, unser Land in bestem Licht zu präsentieren, sagt Schily. Auch Rogowski sagt, dass es darum gehe, für ein positives Deutschlandbild im In- und Ausland zu werben. Von der ursprünglichen Idee des "FC Deutschland 06" ist nicht mehr viel übrig geblieben. Nur das Organisationsunternehmen FC Deutschland GmbH erinnert noch an diesen Ursprung. Zuviel Nähe zum Fußball war nicht erwünscht, um Deutschland nicht auf das Bild der Fußballnation zu reduzieren.
Große Werbeaktionen im Fernsehen oder in Zeitungen und Zeitschriften sind angesichts des engen Budgets nicht zu finanzieren, sagt FC-Deutschland-Geschäftsführer Mike de Fries. Trotzdem hofft er, dass sich das Motto "Land der Ideen" als Zusatz zum bekannten "Made in Germany" durchsetzen wird.