Die Krise der Printmedien erreicht Deutschland. Das Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main hat am Morgen für die traditionsreiche "Frankfurter Rundschau" wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag gestellt. Das sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Frankfurt am Main. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter sei der Rechtsanwalt Frank Schmitt von der Kanzlei Schultze & Braun bestellt worden.
Er wird in den nächsten Tagen die Geschäfte übernehmen und nach einem Investor suchen. Dies wird schwierig: Die "Frankfurter Rundschau" schreibt Verluste, wie praktisch sämtliche Printmedien leidet sie unter einer bröckelnden Auflage. Zwar wächst die Leserschaft digitaler Angebote, allerdings tun sich die Verlage schwer, ein Geschäftsmodell zu finden, das die teuren Redaktionen finanzieren kann.
Mit dem Entschluss kapitulieren zwei langjährige Medienunternehmer bei einer ihrer wichtigsten Beteiligungen vor dem digitalen Umbruch in der Medienbranche. Die Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH, die die Frankfurter Rundschau herausgibt, gehört zu 50 Prozent plus einer Stimme der Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg. 40 Prozent liegen bei der DDVG, der Medienholding der SPD. Die übrigen Anteile hält die Karl-Gerold-Stiftung. Bislang hatten die Eigentümer die Verluste über eine Patronatserklärung immer abgedeckt. Nach Informationen der FTD hatten sie kürzlich signalisiert, dies künftig nicht mehr leisten zu wollen.
Die "Frankfurter Rundschau" hatte 2001 noch eine Auflage von 190.000, geriet dann aber in die Krise. DuMont Schauberg stellte sie 2007 auf das Tabloid-Format um und stabilisierte die Auflage bei 150.000. Die "Rundschau" machte aber weiter Verluste. Seit 2011 wurde deshalb der Mantel von der Redaktionsgemeinschaft in Berlin produziert, zusammen mit dem Mantel der "Berliner Zeitung".
Zuletzt hatte die "Frankfurter Rundschau" mit Arnd Festerling wieder einen eigenen Chefredakteur. Damit sollte sie auf ihrem lokalen Markt gestärkt werden. Zugleich gab es Überlegungen, sie zumindest in Norddeutschland komplett von einer Papier- auf eine Digitalzeitung umzustellen. Die Millionenverluste beschleunigten sich aber auch im laufenden Jahr.
Die SPD-Medienholding ist daneben direkt oder indirekt an weiteren Zeitungen wie der "Neuen Westfälischen", der "Sächsischen Zeitung", der "Frankenpost" oder der "Hannoverschen Allgemeinen" beteiligt. DuMont Schauberg gibt beispielsweise den "Kölner Stadt-Anzeiger", den "Express", die "Hamburger Morgenpost" und die "Berliner Zeitung" heraus.
Bislang hatte die Krise der Printmedien vor allem im Ausland konkrete Folgen. Mehrere französische Tageszeitungen haben auf eine rein digitale Erscheinungsweise umgestellt, im vergangenen Monat kündigte das US-Wochenmagazin "Newsweek" diesen Schritt an.
Für den heutigen Dienstag um 15 Uhr hat der Geschäftsführer des FR-Herausgebers, Karlheinz Kroke, seine Kollegen zu einer Betriebsversammlung eingeladen. Kroke selbst war nicht zu erreichen. Ein Sprecher von DuMont sagte, man wolle sich vor der Betriebsversammlung nicht äußern. Die DDVG war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.