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Merken   Drucken   02.02.2010, 15:03 Schriftgröße: AAA

Internet-Inhalte: Hulu will Apples iPad knacken

Steve Jobs will kein Flash auf dem iPad. Die Adobe-Software sei zu fehlerhaft. Nebenwirkung: Viele Videos von Fremdanbietern laufen auf dem Flunderrechner nicht. Doch die Videoplattform Hulu greift dennoch an - mit mächtigen Eignern im Rücken. von Matthias Lambrecht, München
Die Videoplattform Hulu plant, ihre Dienste künftig auch auf dem iPad und anderen mobilen Endgeräten anzubieten. "Jeder neue Weg, der den Nutzern hilft, Zugang zu Inhalten zu bekommen, ist großartig für uns", kommentierte Hulu-Chef Jason Kilar die Markteinführung des neuen Tablet-Computers von Apple, der vor allem auf die mobile Mediennutzung ausgelegt ist. "Hulu wird letztlich auf jedem mobilen Gerät verfügbar sein", sagte Kilar im Gespräch mit der FTD weiter. Den Vorstoß in Märkte jenseits der USA behindern aber die immer noch fehlenden Rechte an TV-Serien und -shows für andere Länder.
Hulu-Chef Jason Kilar   Hulu-Chef Jason Kilar
Mit dem Ausbau der Reichweite über neue Geräte und die internationale Expansion verbreitern die hinter Hulu stehenden US-Medienkonzerne ihren Zugang zum Endkunden und verschärfen den Wettbewerb mit Gratisdiensten, wie dem zu Google gehörenden Anbieter Youtube. Hulu ist seit 2007 auf dem US-Markt, Anteilseigner sind die Fernsehketten ABC, Fox und NBC, die auf der werbefinanzierten Plattform Fernsehserien und -shows zum Abruf bereitstellen. Im vergangenen Jahr konnte Hulu kräftig zulegen und sich in den USA an die Spitze des Verfolgerfelds hinter Youtube schieben: Die Zahl der im November 2009 bei Hulu angeschauten Videos hat sich nach Angaben des Marktforschers Comscore im Vergleich zum Vorjahresmonat auf knapp 924 Millionen mehr als vervierfacht.
Googles Videoplattformen liegen mit mehr als zwölf Milliarden Zugriffen zwar noch weit vorn. Doch Branchenschätzungen zufolge ist Hulu dem Marktführer gemessen am Umsatz schon dicht auf den Fersen: Nach rund 120 Mio. $ Werbeerlösen im vergangenen Jahr könnte der Verfolger Schätzungen der Analysten von Screen Digest zufolge die Google-Plattform 2010 überholen.
Damit Apples Tablet-PC die Erwartungen der Online-TV-Anbieter erfüllen kann, muss noch eine technische Hürde überwunden werden. Denn das Angebot von Hulu und vieler anderer werbefinanzierter Onlinevideodienste kann auf dem iPad noch nicht abgespielt werden, da Apple bislang die dafür notwendige Flash-Software weder auf iPhone noch auf dem iPad unterstützt. Daran wird sich wohl auch vorerst nichts ändern, da Apple die Anwendung des Anbieters Adobe als zu fehlerbehaftet ablehnt und stattdessen auf den kommenden Internetstandard HTML5 setzt, der das Abspielen der Filme auch ohne Flash-Software erlaubt. Bis dahin können Filme und TV-Serien vor allem über den Apple-Onlineshop iTunes abgerufen werden - allerdings nur gegen Bezahlung.
Der Hulu-Chef erwartet, dass der Markt eine Verbreitung werbefinanzierter Inhalte auf allen mobilen Endgeräten erzwingen wird. "Das entscheiden die Nutzer, nicht wir", sagte er. Genauere Angaben zum künftigen Angebot von Hulu in diesem neuen Marktsegment machte Kilar nicht.
Juristische Hindernisse müssen erst noch abgeräumt werden, bevor Hulu in weitere Länder vorstoßen kann. Die Zeit drängt: Weil sich die Rechteverhandlungen hinziehen, können die lokalen Konkurrenten in den angepeilten Märkten, wie etwa Sevenload, einen Vorsprung aufbauen. "Das lässt uns nachts nicht ruhig schlafen", so Kilar.
Westeuropa gehöre für Hulu zu den interessantesten Regionen, sagte Kilar. Denkbar sei, dass der bislang ausschließlich werbefinanzierte Onlinevideodienst auf einigen Märkten künftig auch Gebührenmodelle anbieten werde. Das werde wesentlich von den Rechteinhabern abhängen. "Wenn wir Inhalte aus der ganzen Welt wollen, müssen wir auf die Bedürfnisse unserer Inhaltepartner eingehen", sagte der Hulu-Chef.
Bastion gegen Piraten
Legal Im Kampf gegen Videopiraten hat sich Hulu in den vergangenen Jahren beachtlich geschlagen: 2007 setzten die amerikanischen TV-Sender ABC, Fox und NBC die gemeinsame Plattform auf, um den boomenden illegalen Internettauschbörsen Paroli zu bieten.
Umsonst Seitdem bietet Hulu den Nutzern - gebührenfrei, weil werbefinanziert - TV-Serien und -shows zum Abruf über das Internet an. Das Streaming der Clips erfreut sich auf dem US-Markt wachsender Beliebtheit, die Zahl der Besucher auf Hulu-Websites hat sich 2009 mehr als vervierfacht.
Haaransatz
Den Umsatz des Onlineportals will Hulu-Chef Jason Kilar nicht nennen. Aber man könne die positive Entwicklung an seinen Haaren erkennen, sagt Kilar. Nachdem Hulu wieder ein gesetztes Ziel übertraf, hätten sich einige Manager nach einer Wette die Haare abschneiden lassen müssen. Kilar war offensichtlich zu pessimistisch
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    © 2010 Financial Times Deutschland,
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