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Merken   Drucken   10.06.2009, 10:22 Schriftgröße: AAA

Internet-Piraterie: Verlage planen Gema für Onlinetexte  

Seit Jahren suchen Verlage nach Internet-Erlösmodellen jenseits der Werbung. Nun gibt es konkrete Ideen: Eine Art "Inkassobüro" soll Leistungsschutzrechte ähnlich wie bei Musik geltend machen. Auch eine "Kultur-Flatrate" als Zuschlag auf die DSL-Gebühr wird diskutiert. von Lutz Knappmann
Sie sind aufgewacht. Lange tobte die Verbalschlacht gegen die Internet-Piraterie vor allem in den USA. Nachrichtenagenturen wie AP drohten Anbietern mit Krieg, die ihre Meldungen ungefragt und unbezahlt ins Netz stellen. Jetzt bringen sich die deutschen Verlage in Stellung und drängen die Politik zu mehr Schutz für ihre Online-Inhalte - zuletzt mit einer Resolution sechs großer Verlage in Hamburg.
Die Forderungen finden Widerhall, erst recht in Zeiten dramatisch einbrechender Werbeerlöse: "Ein Leistungsschutzrecht für Verlage sollte gesetzlich verankert werden", sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann dem "Spiegel". Die Signale aus der Politik seien vielverspechend, ist zu hören. Schon nach der Bundestagswahl könnte ein Gesetz auf den Weg kommen.
Ein Leistungsschutzrecht, wie es die Musikbranche seit Jahrzehnten kennt, würde es den Verlagen erleichtern, etwa gegen Firmen vorzugehen, die fremde Artikel bündeln und vermarkten. Urheberrechtlich geschützt sind die Beiträge zwar schon heute. Doch das Recht am einzelnen Artikel liegt beim Autor. Unmöglich, die Interessen Tausender festangestellter und freier Journalisten einzeln zu vertreten. Ein Leistungsschutzrecht gäbe dem Verlag das Recht am kompletten Werk, etwa der Zeitung. Er könnte so gezielter Piraten im Netz jagen.
Oder jagen lassen. Am Montag schlug Mathias Döpfner, Chef des Axel Springer Verlags, vor: "Eine kollektive Verwertung sollte genau geprüft werden." Damit skizziert er die Idee einer Verwertungsgesellschaft der Verlage. Einer Gema für Onlinetexte, die im Netz nach illegaler Nutzung fahndet - und fällige Gebühren eintreibt.
Konzept stößt auf Zustimmung
"Dass die Verlage die Rechte, die sie haben, in einer zentralen Stelle bündeln, die die Recherche für sie erledigt, ist sicher sinnvoll", sagt Udo Branahl, Rechtsprofessor am Institut für Journalistik der TU Dortmund. "Wenn eine Verwertungsgesellschaft das für alle Verlage erledigt, wäre es sicher billiger, als wenn jeder Verlag einzeln recherchieren muss." Branahl sieht in einer solchen Institution daher vor allem ein " Inkassobüro".
Das Konzept stößt in der Branche auf Zustimmung. "Das ist sicher ein Weg, den man gehen kann", heißt es bei der Bauer Media Group. "Es kommt darauf an, wie viele Verlage mitmachen", so ein Sprecher. "Die Diskussion steht erst am Anfang."
Offen ist, wie eine solche Gesellschaft aufgebaut würde, ob sie neu gegründet oder bei Verwertern wie der Gema oder der VG Wort angedockt würde. Die Gema signalisiert Gesprächsbereitschaft: Eine Zusammenarbeit mit Verlagen sei denkbar, "sofern die Gema juristisch dazu befugt ist", heißt es.
Am Grundproblem der Verlage ändern die Ideen freilich nicht viel: Die Medienhäuser verdienen zu wenig Geld mit ihren eigenen Internetangeboten. "Die illegale Nutzung von Onlinebeiträgen ist sicher nicht so wesentlich, dass eine konsequente Verfolgung alles ändert", sagt Medienwissenschaftler Horst Röper. Doch viele Verlage träumen längst von einer Kultur-Flatrate, die etwa auf DSL-Gebühr aufgeschlagen wird. Und deren Verteilung könnte ja durchaus auch eine Verwertungsgesellschaft übernehmen.
  • Aus der FTD vom 10.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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