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Merken   Drucken   11.10.2012, 14:28 Schriftgröße: AAA

Interview: Silicon-Valley-Star Box scheut die Börse

Facebook, Groupon, Zynga konzentrieren sich auf private Nutzer und haben Anleger enttäuscht. Hoch gehandelt werden nun IT-Firmen mit Fokus auf Geschäftskunden. Der Chef einer der vielversprechendsten zeigt aber nur geringe Börsenambitionen.
von San Francisco

Der 27-jährige Mitgründer und Chef von Box spricht schnell, er denkt schnell, er bewegt sich schnell - und sein Onlinedatenspeicher-Startup gehört zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen im Silicon Valley. Nur mit dem Gang an die Börse hat es Aaron Levie nicht eilig. "Das ist ein Meilenstein, den man als unabhängiges Unternehmen in der Regel hinter sich bringen muss, aber wir sind nicht in Eile", sagte Levie im FTD-Gespräch. "Das Problem ist, dass man sich dann dem Druck der Kurzfristigkeit beugt und dabei langfristige Ziele aus den Augen verliert." Ziele, wie etwa die globale Expansion, würden die Aktienmärkte nicht goutieren, glaubt Levie: "Wir werden frühestens Ende 2013 über den Börsengang nachdenken."

Aaron Levie, Chef von Box, gründete das Unternehmen 2005 mit ...   Aaron Levie, Chef von Box, gründete das Unternehmen 2005 mit seinem Schulfreund Dylan Smith

Damit verpasst Levie einen vielversprechenden Zeitpunkt für einen möglichen Gang aufs Parkett. Das Vertrauen in die Geschäftsmodelle der auf Privatanwender fokussierten Social-Media-Firmen wie Facebook , Groupon  oder Zynga  ist erschüttert, was sich an deren stark gesunkenen Kursen ablesen lässt. Auf Unternehmenskunden ausgerichtete Firmen wie Box mögen auf den ersten Blick weniger attraktiv wirken, bei Investoren aber stehen sie hoch im Kurs. So haben Anbieter von Unternehmens-IT wie Palo Alto Networks, Servicenow oder Splunk bereits erfolgreiche Börsengänge hingelegt. Workday, ein Experte für webbasierte Personalmanagementsoftware, strebt diese Woche an die Börse. Am Dienstag erhöhten die Kalifornier gar die Preisspanne für ihre Aktien von 21 bis 24 Dollar  auf 24 bis 26 Dollar. Workdays Bewertung wird rund 4 Mrd. Dollar betragen.

Box-Chef Levie lässt sich von den Entwicklungen nicht bedrängen. "Das positive Echo auf Börsengänge von Unternehmenssoftware-Startups ist ermutigend, aber das ändert für uns nichts", sagte der Box-Chef. Levies Aufmerksamkeit gilt dem rapiden Wachstum. Nur so kann er gegen Konzerne wie EMC , Google , IBM , Microsoft  oder Oracle  bestehen. Seit der Gründung im Jahr 2005 hat sich der Umsatz von Box jährlich angeblich verdoppelt. Zahlen nennt Levie nicht, räumt aber ein, dass Box wegen hoher Investitionen defizitär ist. Der Dienst wird von 14 Millionen Nutzern und 140.000 Unternehmen wie Volkswagen , Procter & Gamble  und BAA eingesetzt. In den vergangenen zwölf Monaten hat Box die Anzahl Mitarbeiter auf über 600 verdoppelt.


Gründerromantik
College-Abbrecher Aaron Levie gründete Box 2005 mit seinem Schulfreund Dylan Smith in seinem Zimmer auf dem Campus der University of Southern California in Los Angeles. Levie war 20, Smith, der VWL studierte, 19. Beide brachen das College 2006 ab.
Pokerspieler Levie programmierte die Box-Website. Smith spielte das Startkapital mit Onlinepoker ein. Heute ist Smith Finanzchef von Box.

Um das Wachstum zu finanzieren, hat Box im Juli eine weitere Finanzierungsrunde über 125 Mio. Dollar abgeschlossen. Box' Bewertung soll dabei über 1,2 Mrd. Dollar betragen haben. Levie hat bislang insgesamt 250 Mio. Dollar von Risikokapitalgebern, etwa auch vom deutschen Softwarekonzern SAP , eingesammelt. Mit dem neuen Kapital treibt Levie den internationalen Ausbau voran. Im Juni eröffnete er eine Niederlassung in London, weitere Dependancen in Europa und Asien sollen folgen. Darüber hinaus soll die mobile Technologie ausgebaut werden, mit der Kunden ihre Dateien über verschiedene Gerätetypen hinweg abrufen und sie mit Dritten bearbeiten können.

Da Mitarbeiter innerhalb und außerhalb von Unternehmen von Desktop-Rechnern und mobilen Geräten auf Dokumente zugreifen, hat Box ein webbasiertes System entwickelt, das mit unzähligen Gerätetypen und Betriebssystemen zurechtkommen soll. IT-Manager können mit der Box-Plattform alle Dokumente sowie die Zugriffsrechte und sogar die Sicherheit managen. Um Kosten zu sparen und den Datenzugriff von überall zu vereinfachen, setzen Unternehmen weltweit zunehmend solche Cloud-Lösungen ein.

Gerade um in größeren Unternehmen Fuß zu fassen, setzt Box auf Partnerschaften mit großen IT-Anbietern und die Integration seiner Software in bestehende Anwendungen. Am Montag kündigte Box auf seiner Kundenkonferenz in San Francisco ein erstes Abkommen mit SAP an: Mit Box werde der weltgrößte Anbieter von Unternehmenssoftware sein Angebot für die Verwaltung mobiler Endgeräte sicherer und effizienter machen, sagte Levie. Weitere Partnerschaften sollen folgen. "Wir sehen SAP als Katalysator, um von deren Kundenstamm von über 100.000 Unternehmen angenommen zu werden", so der Unternehmer.

04:08:34 Kursinformationen und Charts
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  • FTD.de, 11.10.2012
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