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07.11.2010, 21:46
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IPO von Mail.ru:
Russen treten neuen Internethype los
Wie zu besten New-Economy-Zeiten feiern Investoren den Börsengang von Mail.ru. Die Aktie legt am ersten Handelstag um 30 Prozent zu - die Beteiligung an Facebook macht das Investment so sexy, dass selbst Piraterieklagen da nicht weiter stören.
von Annika Graf und Andrea Rungg, Hamburg
Der Börsengang von
Mail.ru wird bei manchem Investor wehmütige Erinnerungen an die alten New-Economy-Zeiten hervorgerufen haben. 912 Mio. Dollar (650 Mio. Euro) hat das russische Webunternehmen Ende vergangener Woche bei der Erstnotiz von rund 16 Prozent der Anteile an der Londoner Börse eingenommen. Die in Form von Hinterlegungsscheinen angebotenen 32,9 Millionen Aktien waren 20-fach überzeichnet. Hinterlegungszertifikate sind Aktien, die auch im Ausland gehandelt werden dürfen. Es war der zweitgrößte Börsengang in London nach dem Investmentvehikel Vallar im Sommer.
Screenshot der Webseite mail.ru
Am ersten Handelstag schossen die Mail.ru-Titel um 30 Prozent in die Höhe und gingen mit einem Schlusskurs von 36 Dollar aus dem Handel. Damit wird das Unternehmen an der Börse mit 7,07 Mrd. Dollar bewertet. "Es ist keine Überraschung, dass die Leute bei IPOs aus Schwellenländern zugreifen, dieser Trend dürfe wahrscheinlich anhalten", sagte Analyst Kovachev. Neben Mail.ru gingen jüngst auch der russische Einzelhändler O'Kej und die Baugruppe Mostotrest an die Börse. Sie nahmen je rund 400 Mio. Dollar ein.
Der erfolgreiche Auftakt gibt einen Vorgeschmack auf den in einigen Jahren geplanten Börsengang des Onlinenetzwerks Facebook, an dem Mail.ru beteiligt ist. Doch ganz makellos ist der Börsenstart nicht: Medienkonzerne klagen, dass urheberrechtlich geschützte Titel auf Webseiten von Mail.ru angeboten werden.
Mail.ru ist Russlands größter Internetkonzern. Das Unternehmen ist E-Mail-Dienstleister und Onlinespieleanbieter zugleich und firmierte bis vor Kurzem als Digital Sky Technologies. Mail.ru beteiligt sich vor allem an aufstrebenden amerikanischen Startups. Größter Coup ist bisher die Beteiligung am Börsenkandidaten Facebook. Rund 400 Mio. Dollar zahlten die Russen für einen Fünf-Prozent-Anteil an dem weltweit größten sozialen Netzwerk. Sie investierten seither zudem in den erfolgreichen Onlinespielehersteller Zynga und den Gutscheindienst Groupon. Im April kaufte Mail.ru dem US-Konzern
AOL den Kurznachrichtendienst ICQ ab.
Das Unternehmen gehört mehrheitlich dem Oligarchen Alischer Usmanow und dem südafrikanischen Medienkonzern Naspers, mit deren Kapital Mail.ru die Beteiligungskäufe finanziert. Mehr als 50 Internetunternehmen oder Beteiligungen hat sich Mail.ru seit dem Jahr 1999 so mithilfe seiner Investoren für rund 1 Mrd. Dollar zusammengekauft.
Teil 2: Russische Töchter bieten alles umsonst
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Aus der FTD vom 08.11.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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