Kommentar
Der Börsengang soll der größte eines Internetunternehmens werden. Der geplante Erlös von 5 Mrd. Dollar erinnert an feinste Dotcom-Zeiten - und sollte ins Gedächtnis rufen, was nach dem Boom kam.
von Andreas Albert
Facebook selbst hat in seinem Prospekt die Erwartungen leicht gedämpft. Der beim Börsengang angepeilte Erlös ist mit 5 Mrd. Dollar nur etwa halb so hoch, wie zuvor spekuliert. Doch der Preis könnte bei starkem Interesse noch steigen. Die angenommene Bewertung des Unternehmens bei 100 Mrd. Dollar entspricht etwa einem Viertel des Werts von Apple.
Sicher, noch verspricht das Netzwerk Wachstum. Vor allem im Ausland ist noch Potential - doch es gibt erste Warnzeichen: In den USA verlangsamte sich der Mitgliedszuwachs im vergangenen Jahr bereits.
Trotzdem ist aus den 845 Millionen Nutzern noch nicht der letzte Dollar herausgepresst. Großes Potenzial liegt im mobilen Geschäft. Obwohl immer mehr Nutzer den Dienst mobil nutzen, verdient Facebook hier noch nichts mit Werbung.
Die große Stärke ist aber auch die große Gefahr. Mehr als 85 Prozent verdient das Netzwerk mit Anzeigen. Die Abhängigkeit von sprudelnden Werbeausgaben ist eine große Schwäche. Das bekamen viele Unternehmen nach dem Platzen der Dotcom-Blase zu Beginn des Jahrhunderts zu spüren.
Auch die Abhängigkeit vom Spieleentwickler Zynga ist nicht zu unterschätzen. Er macht rund zwölf Prozent am Umsatz aus. Einerseits kassiert Facebook, wenn die Spieler Geld für virtuelle Güter ausgeben, andererseits fließen aber auch Werbeeinnahmen über den Spieleanbieter an Facebook zurück. Zynga ist derzeit bestrebt, die große Abhängigkeit von Facebook zu lösen und bietet inzwischen auch Spiele für andere Plattformen, beispielsweise Google+ an.
Auch auf stetig steigende Nutzerzahlen kann Facebook nicht bauen. Irgendwann wird auch in den Auslandsmärkten eine Sättigung erreicht, wie sie in den USA bereits abzusehen ist. Ein Einstieg in den rasant wachsenden chinesischen Markt wird zudem schwierig. Dort dominieren lokale Unternehmen und die Regierung in Peking ist bestrebt, den Markt abzuschotten.
Hinzu kommt der Dauerclinch mit Datenschützern. Mit immer neuen Funktionen und Änderungen der Nutzungsbedingungen bringt Facebook zudem viele Nutzer gegen sich auf. Für die meisten von ihnen spielt der Datenschutzaspekt bisher keine große Rolle. Facebook kann aber nicht darauf bauen, dass Privatsphäre in Zukunft keine Rolle mehr spielen wird.
Nutzer könnten sich nach Alternativen umschauen. Das soziale Netzwerk des Konkurrenten Google wächst kräftig. Auch wenn bisher jeder neue Nutzer von Google-Diensten automatisch Mitglied des Netzwerks wird.
Die zugrunde liegenden Risiken lassen eine Bewertung von 100 Mrd. Dollar als zu hoch erscheinen. Anleger sollten ihre Euphorie etwas dämpfen und sich nicht vom IPO-Fieber anstecken lassen. Sonst droht tatsächlich eine zweite Bauchlandung - und die wäre für die gesamte Branche schlecht.
Wenn Facebook so profitabel ist, wie behauptet, dann verstehe ich NICHT, weshalb man überhaupt an die Börse geht ... Ich denke, dass da nur wieder Dumme abgezockt werden sollen!
Weltweit läuft die Anzahl Accounts schon nahe gegen die Zahl von Menschen, die Genug Geld haben, das ihre Daten und ihre Vernetzung wertvoll macht. Trotz steigender Accountzahlen, geht die Nutzung in den hochentwickelten Ländern leicht zurück (Die SZ berichtete im Sommer darüber) und wird wahrscheinlich keine größeren Sprünge mehr machen. Von daher befindet sich der Konzern Facebook vermutlich jetzt gerade in seinem Zenit. Es bleibt abzuwarten, ob er sich langfristig börsennotiert wird halten können...
Wenn Facebook mit privaten Daten von meist jugendlichen usern über Zielgruppen- Auswertung und deren Vermittlung an diverse Marktteilnehmer Profit generiert, hat dies nichts mit Sozialem Netzwerk zu tun. Durch den geplanten Börsengang entlarvt sich Facebook nunmehr als reine Geldmaschine für die derzeitigen Inhaber. Die Entwicklung der FB- Aktien wird sich nach bekanntem Muster zu einer gewaltigen Blase entwickeln, die nach dem “unerwarteten“, aber strategisch genau geplanten Einsammeln des von den blauäugigen und euphorischen Investoren vorgestreckten Kapitals wieder platzen wird.
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