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Merken   Drucken   21.02.2012, 21:00 Schriftgröße: AAA

IT-Outsourcing: Schlechte Aussichten fürs schnelle Geschäft  

Premium Die Rechnung der Outsourcing-Anbieter ist simpel: In Krisenzeiten wächst der Spardruck auf Konzerne - und das eigene Geschäft brummt. Doch so einfach ist es nicht: Die Aufträge sind komplex, die Ansprüche gestiegen, der Wettbewerb hart.
von Annika Graf, Hamburg

Manche Argumente haben sich einfach zu tief eingebrannt, um sie nicht mehr zu verwenden. "Je schärfer die Krise durchschlägt, desto mehr Chancen ergeben sich für uns", sagt Volker Smid, Deutschland-Chef des IT-Dienstleisters Hewlett-Packard (HP), im Gespräch mit der FTD.

"Outsourcing boomt in der Krise" - dieses Mantra tragen die IT-Dienstleister jedes Mal vor sich her, wenn es mit der Wirtschaft abwärts geht. Tatsächlich musste auch die deutsche Outsourcing-Industrie im Krisenjahr 2009 Federn lassen, wie die Zahlen des Branchenverbands Bitkom zeigen. Das Problem: Selbst wenn in den Vorstandsetagen in Krisenzeiten das Argument der Kostenersparnis durch Auslagerung lockt - die Aufträge sind komplex und haben eine lange Vorlaufzeit. Das bringe "eine gewisse Trägheit mit sich", erklärt Friedrich Löer, Partner beim IT-Berater ISG. Inzwischen hat sich die Branche erholt - doch die Lage ist nicht so rosig, wie die Wachstumsraten suggerieren.

Umsätze mit IT-Outsourcing und Prozessoptimierung   Umsätze mit IT-Outsourcing und Prozessoptimierung

"In der Branche herrscht ein immenser Preisdruck", stellt HP-Deutschland-Chef Smid fest. "Das stellt uns täglich vor die Herausforderung, effizient zu sein." Die Konkurrenz bei hoch standardisierten Lösungen wie dem Betrieb von Rechenzentren sei enorm, sagt Mathias Weber, Bereichsleiter IT Services beim Branchenverband Bitkom. "Deshalb versuchen viele Anbieter, sich stärker auf beratungsintensive oder innovative Bereiche zu konzentrieren, wo der Wettbewerbsdruck nicht so stark ist."

Gleichzeitig haben es die Anbieter inzwischen in der Regel mit Kunden zu tun, die bereits Erfahrung mit der Auslagerung von IT gesammelt haben. Einer von ihnen ist Andreas Beeres, IT-Vorstand des Glas- und Werkstoffspezialisten Schott, der seit 2004 mit HP zusammenarbeitet und inzwischen neben Rechenzentren auch Netzwerke, den Betrieb von Mailservern und insgesamt 4500 Arbeitsplätze ausgelagert hat. Beeres hält überhaupt nichts davon, die Verantwortung komplett an einen externen Dienstleister abzugeben. "Es braucht im Unternehmen viel Know-how und Erfahrung, um IT so auszulagern, dass der Nutzen voll ausgeschöpft wird", sagt er. Sein Kritikpunkt: Die Anbieter gingen "noch zu wenig maßgeschneidert vor".

"Die Firmen erwarten Industriewissen", ist die Erfahrung von Bernhard Kraft, Geschäftsführer im Bereich Technology beim Outsourcing-Spezialisten Accenture. "Sie wollen den IT-Dienstleistern nicht erst ihre Prozesse erklären. Außerdem erwarten sie, dass der Dienstleister das Unternehmen kennt." Wohin das führen kann, zeigt das Beispiel Lufthansa : Die Fluggesellschaft hatte monatelang nach einem Partner für ihre IT gesucht, zeitweise war die Rede von einem Verkauf. Inzwischen liegen die Pläne auf Eis, mit der Begründung, die Systeme seien zu komplex. "Die Firmen wollen stärker die Kontrolle behalten", so Kraft: "Die Projekte heute gehen eher in Richtung Kollaboration als ins klassische Outsourcing."

Das reine Argument der Kostenersparnis zieht vor allem bei erfahrenen Kunden wie Schott-Manager Beeres nicht mehr. "Outsourcing kostet auch Geld, allzu oft werden die Transformationskosten in den Business-Case nicht eingerechnet, was später zulasten der Qualität geht." Vor allem Aspekte wie die Optimierung von unternehmenseigenen Prozessen würden vernachlässigt.

HP-Deutschland-Chef Smid macht sich dennoch Hoffnung, vom Spardruck großer Konzerne zu profitieren, und wirbt jetzt um Aufträge in der krisengeschüttelten Energiebranche. Der größte deutsche Energiekonzern Eon  hatte 2010 Teile seiner Rechenzentren und 1100 Mitarbeiter an HP  und T-Systems ausgelagert. "Eon ist seinen Konkurrenten wie RWE , Vattenfall oder der EnBW , was das angeht, weit voraus", argumentiert er. Accenture-Geschäftsführer Kraft versucht einzulenken: "Krisen als Chance zu bezeichnen, finde ich zu plakativ." Dann folgt bei ihm doch der alte Reflex der Branche: "Aber ohne Druck gibt es keine Veränderung."

  • Aus der FTD vom 22.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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