Dem Handy-Hersteller Motorola steht nach der Übernahme durch Google ein massiver Stellenabbau bevor. Rund jeder fünfte Arbeitsplatz solle verschwinden, es gehe um etwa 4000 Jobs, berichten die "New York Times" und das Blog "All Things D" am Montag.
Das Unternehmen werde sich aus unprofitablen Märkten und der Herstellung günstiger Geräte zurückziehen und die Modellpalette verkleinern, sagte der neue Motorola-Chef Dennis Woodside der "New York Times". Etwa zwei Drittel der Stellenstreichungen seien außerhalb der USA geplant.
Google hatte Motorola Mobility für rund 12,5 Mrd. Dollar gekauft. Nach offiziellen Angaben ging es vor allem um das riesige Patent-Portfolio, das der Handy-Pionier besitzt. Schon kurz nach der Übernahme hatte Google große Teile der Motorola-Führung ausgetauscht, um dem einstigen Star der Handybranche einen Neustart zu erleichtern. Der Hersteller ist weit von alten Erfolgen entfernt. Obwohl das Unternehmen bereits seit einiger Zeit auf Googles populäres Betriebssystem Android setzt, fehlt derzeit ein Verkaufsschlager.
Motorola hatte einst das erste Handy gebaut, war in den vergangenen Jahren aber hinter die Wettbewerber zurückgefallen. Mit dem Vormarsch der Smartphones dominieren heute vor allem Samsung mit seinen Galaxy-Modellen und Apple mit seinem iPhone die Branche. Obwohl Motorola genau wie Samsung auf Android setzt, schreibt der US-Hersteller im Gegensatz zu den Südkoreanern hohe Verluste.
Woodside wolle Motorola-Telefone wieder "cool" machen, schrieb die "New York Times". Zum Beispiel mit der Fähigkeit, an den Stimmen zu erkennen, wer sich gerade in einem Raum aufhält, besseren Kameras und langen Batterielaufzeiten. Viele der Neuerungen sollen aus einem von Google geschaffenen Innovationslabor kommen. Es hat nur einige Dutzend Mitarbeiter und wird von der ehemaligen Chefin der Militärforschungsagentur DARPA, Regina Dugan, geführt.
Statt der im vergangenen Jahr vorgestellten 27 Modelle solle es nur wenige geben - eine Strategie, auf die auch Apple setzt. Der vom Online-Einzelhändler Amazon geholte Manager Mark Randall will zudem die Zuliefererkette radikal verschlanken. Motorola habe bisher zu viel Geld für zu viele verschiedene Bauteile ausgegeben, sagte er der Zeitung.
Woodside wiederholte das Versprechen, dass Motorola nicht gegenüber anderen Android-Anbietern bevorzugt werde. Alles, was Google bei Motorola macht, wird sehr aufmerksam von Partnern wie Samsung, HTC , LG oder Sony Ericsson verfolgt werden. Sie dürften extrem allergisch reagieren, wenn die neue Google-Tochter früher Zugang zu neuen Android-Funktionen oder nächsten Versionen des Betriebssystems bekommen sollte. Ein bekanntes Problem der Plattform ist die langsame Markteinführung neuer Android-Versionen, was auch an der Vielfalt der Geräte liegt.