Das Hamburger Karrierenetzwerk Xing hält das Übernahmeangebot der Verlagsgruppe Burda für nicht ausreichend. Der Vorstand und Aufsichtsrat von Xing empfiehlt den Aktionären, das millionenschwere Angebot nicht anzunehmen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Hamburg mit. Der Angebotspreis von 44 Euro je Xing-Aktie sei zu niedrig und "folglich aus finanzieller Sicht nicht angemessen". Die Aktie reagierte zunächst kaum und blieb weiter knapp unter 44 Euro.
Gleichzeitig befürworten Vorstand und Aufsichtsrat das geplante Investment der Burda Digital. Aus "unternehmerischer Sicht" sei zu begrüßen, dass Burda seine Stellung als wichtiger strategischer Investor durch eine Erhöhung ihres Stimmrechtsanteils an Xing erhöht hat und in der Zukunft weiter ausbauen will.
Burda hatte seinen Anteil bei Xing bereits von zuletzt 29,43 auf 38,89 Prozent ausgebaut. Für die verbliebenen 3,3 Millionen Xing-Aktien will die Burda-Digitaltochter 44 Euro je Aktie oder insgesamt 147,3 Mio. Euro auf den Tisch legen. Die Xing-Aktie schoss daraufhin um mehr als 18 Prozent auf gut 44 Euro hoch. Burda war im November 2009 bei Xing eingestiegen und hatte sich zunächst mit einem Viertel beteiligt. Der Verlag will kräftig in das Digitalgeschäft investieren. Ähnlich wie der Axel-Springer-Verlag baut der Münchner Konzern sein Internetgeschäft seit Jahren aus, um die erodierenden Printumsätze zu aufzufangen. Zu den bekanntesten Onlinebeteiligungen gehören der Tierfutterhändler Zooplus und Tomorrow Focus ("Holidaycheck"). Im Frühjahr hatte Burda angekündigt, den Anteil an Xing weiter aufstocken zu wollen.
"Die Xing AG hatte mit Burda in den vergangenen Jahren stets einen guten strategischen Investor und wir freuen uns, dass das auch künftig der Fall sein wird", sagte der neue Chef Thomas Vollmoeller. Er hatte schon in ersten Kommentaren zum Burda-Angebot gesagt, die Übernahme könne Xing dabei helfen, die führende Stellung in Deutschland auch gegen den Weltmarktführer Linkedin zu festigen. Vollmöller will Xing wieder schneller wachsen lassen.
Xing hat gerade einen Chefwechsel hinter sich. Für den früheren Ebay -Deutschlandchef Stefan Groß-Selbeck kam Mitte Oktober Vollmoeller, zuvor Vorstandsvorsitzender der Schweizer Handels- und Logistik-Holding Valora. Das Hamburger Onlinenetzwerk unterstützt berufliche und geschäftliche Kontakte und hat dazu Angebote für Personalsuche und Stellenvermittlung entwickelt.
Zuletzt ging der Xing-Gewinn im dritten Quartal um 15 Prozent auf 2,2 Mio. Euro zurück. Grund waren vor allem deutlich höhere Personalkosten. Der Umsatz stieg um elf Prozent auf 18,3 Mio. Euro. Die Zahl der Mitglieder im deutschsprachigen Raum wuchs um 196.000 auf 5,9 Millionen - 770.000 davon nutzten kostenpflichtige Angebote. Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf dem deutschsprachigen Raum. Vollmoeller kündigte zuletzt an, Xing werde sich künftig verstärkt um seine zahlenden Premium-Mitglieder kümmern. Diese seien "eine der spannendsten Zielgruppen, die man in Deutschland haben kann". In der Vergangenheit war eher der größere US-Rivale Linkedin , der weltweit aktiv ist, als möglicher Interessent für Xing gehandelt worden.
FTD, DPA