Die ganze Unverfrorenheit Microsofts offenbart sich in einem dämmrigen Tagungsraum irgendwo in Brüssel, in dem der Moderator Mühe hat, das Publikum am Wegdösen zu hindern. Thema der Konferenz: Datenschutz und Wettbewerb im Internet. Eigentlich kein Aufreger - wenn da nicht der Gastgeber wäre. Eingeladen hat Icomp, eine Initiative für wettbewerbsfähige Onlinemärkte. Icomp, so Direktor Auke Haagsma, vertrete Unternehmen mit "wirklichen Problemen". Verursacht durch unfaire Wettbewerbsbedingungen. Verursacht durch Google . Einziges zahlendes Mitglied von Icomp: Microsoft.
Anders ausgedrückt: Der Konzern, der behördlich attestiert dem europäischen Wettbewerb geschadet hat, schickt seine Lobbyisten aus, um seinen ewigen Rivalen anzuschwärzen - wegen Missbrauchs seiner Marktmacht. Es ist ein Angriff aus dem Glashaus.
Microsoft hält den EU-Rekord im Zahlen von Bußgeldern für Wettbewerbsbehinderung - in den vergangenen fünf Jahren 1,7 Mrd. Euro. Zwei Verfahren sind derzeit noch offen, bei denen Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes drohen. "Wir hatten Hoffnungen, Microsoft habe sich seit den ersten Verfahren geändert", sagt ein EU-Wettbewerbshüter. "Offensichtlich haben wir uns geirrt."
Philippe Renaudière, der Datenschutzbeauftragte der EU-Kommission, sollte auf der Icomp-Konferenz darüber sprechen, wie wichtig der Schutz der Privatsphäre für Onlinegeschäfte ist. "Wir können ihnen nicht verbieten, so eine Konferenz zu veranstalten", sagt er. "Aber wir wissen alle, dass Microsoft Probleme mit den Regeln des Wettbewerbs hat."
Die Sünden des Konzerns aus Redmond wider den Wettbewerb hin oder her - die Attacke gegen den Suchmaschinenbetreiber ist perfekt getimt. Schon lange beklagen Datenschützer Googles laxen Umgang mit Nutzerinformationen. Zwei Ereignisse aber haben die Kritik noch einmal verstärkt: Durch den Kauf des Werbevermittlers Doubleclick könne sich die Kontrolle über Kundendaten weiter verstärken, so die Befürchtung. Zudem will Google fortan das Surfverhalten seiner Nutzer analysieren, um sie zielgerichtet mit Werbung zu umgarnen. Auch das stößt auf Bedenken.
"Der Dialog mit Google ist nicht konstruktiv", sagt etwa Kirsten Bock vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Kiel. "Man bekommt höchsten böse Briefe, man solle sich nicht einmischen." Microsofts Strategie ist klar: diese Kritik mit allen Mitteln verstärken. Verliert Google das Vertrauen der Nutzer, geht auch das Geschäftsmodell koppheister.
Teil 2: Wie Microsoft politisch Einfluss nimmt