FTD.de » IT + Medien » Medien+Internet » Mediathek der Privatsender vor dem Aus
Merken   Drucken   18.04.2012, 20:01 Schriftgröße: AAA

Kartellentscheid: Mediathek der Privatsender vor dem Aus

 Pro Sieben Sat 1 und RTL haben wegen ihrer gemeinsamen Internetplattform vor Gericht eine Niederlage kassiert. ARD und ZDF planen eine ähnliche Website.
© Bild: 2012 Getty Images/Clarissa Leahy
Pro Sieben Sat 1 und RTL haben wegen ihrer gemeinsamen Internetplattform vor Gericht eine Niederlage kassiert. ARD und ZDF planen eine ähnliche Website.

Aus dem kostenlosen gemeinsamen Internetportal der privaten Fernsehsender wird wohl nichts. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht folgte am Mittwoch der Argumentation des Bundeskartellamts. Die Kartellwächter hatten das Vorhaben vor gut einem Jahr verboten.

Kursinformationen und Charts
   [ %
   [ %

Die TV-Sendergruppen Pro Sieben Sat 1  und RTL wollten eine gemeinsame Internetplattform schaffen, auf der die Zuschauer - wie bei den bereits existierenden Mediatheken einzelner Sender - nachträglich verpasste Sendungen ansehen können. Kostenlos, werbefinanziert und offen für andere Sender sollte das Angebot sein.

Doch das Bundeskartellamt argumentiert, dass damit das "marktbeherrschende Duopol der beiden Sendergruppen" auf dem Markt für Fernsehwerbung in Deutschland verstärkt werde. Auf dem rund 4 Mrd. Euro schweren bundesdeutschen Fernsehwerbemarkt verfügten beide Unternehmen zusammen über einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent.

ARD und ZDF wollen unter dem Arbeitstitel "Germany's Gold" ebenfalls eine gemeinsame Plattform im Internet schaffen. Eine Vertreterin des Bundeskartellamts sagte, "Germany's Gold" sei zwar vorläufig freigegeben, stehe aber unter Vorbehalt: Die kartellrechtliche Prüfung der öffentlich-rechtlichen Pläne sei noch nicht abgeschlossen.

Landesanstalt für Medien kritisiert Kartellamtsverbot

Das Marktvolumen für den Onlinewerbemarkt im Internet wird auf 70 bis 220 Mio. Euro beziffert. Im Vergleich zu den Umsätzen im Fernsehen ist das bescheiden, doch das Onlinegeschäft gilt als Zukunftsmarkt mit entsprechendem Wachstumspotenzial.

Unterstützung hatten die Privatsender von der staatlichen Medienaufsicht für den privaten Rundfunk bekommen. Die Landesanstalt für Medien NRW hatte das Kartellamtsverbot offen kritisiert: Es spiele lediglich den US-Anbietern Hulu und Google  in die Hände. Nach den Plänen von RTL und Pro Sieben Sat 1 sollte das Portal nach dem Vorbild des amerikanischen Anbieters Hulu entstehen. Dort bieten mehrere US-Fernsehsender Filme, Serien und Show für den Nutzer kostenlos zum Abruf an.

Zwar liege der Marktanteil der beiden privaten Sendergruppen bei den gesehenen Videos im Internet bei insgesamt lediglich etwa fünf Prozent, aber die Rückwirkung auf den Fernsehwerbemarkt sei entscheidend, befand das Gericht. "Das bestehende Duopol wird verstärkt. Wir halten das im Ergebnis für zutreffend", sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Kühnen. Die Entscheidung des Gerichts soll am 20. Juni verkündet werden.

Die Anwälte der privaten Sendergruppen zeigten sich von der vorläufigen Rechtsauffassung des Gerichts enttäuscht: "Wir bleiben bei der Meinung: Das Duopol gibt es nicht", sagte ihr Verhandlungsführer. Zwischen beiden großen Sendergruppen herrsche scharfer Wettbewerb.

Außerdem sei nicht ersichtlich, wieso eine gemeinsame technische Plattform für die kleineren Sender nachteilig sein sollte. Schließlich würden ihnen damit zusätzliche Umsätze ermöglicht. "Es kann nicht zu einer Verschlechterung kommen."

22:05:30 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
    % 
    % 
  • dpa, 18.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler