So klingt blanke Resignation: "Absolut keine", antwortet der Radiohersteller Pioneer auf die Frage, welche Bedeutung er dem digitalen Radiostandard DAB in Deutschland beimesse. Und nein, ein Termin für das Ende des klassischen analogen Hörfunks sei "absolut nicht in Sicht".
Die Einführung des Digitalradios lahmt seit Jahren. Nun ist sie auf absehbare Zeit gescheitert. Die Beteiligten wirken hilflos. "Jetzt muss man einen Schnitt machen, tief durchatmen, und sich die Sache noch mal anschauen", rät die Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM).
DABplus heißt die Technik, die dem Digitalradio zum Durchbruch verhelfen soll. Sie ist eine Weiterentwicklung des wirtschaftlich erfolglosen Standards DAB und steht für höhere Übertragungskapazität und Tonqualität - gegenüber dem digitalen Vorläufer und erst recht gegenüber dem Analogfunk UKW. DABplus soll Platz schaffen für viele Programme und genauere Verkehrsinformationen für Autofahrer.
Frequenzen, auf denen DABplus-Angebote ausgestrahlt werden könnten, hat die Bundesnetzagentur gerade ausgeschrieben. Bis zum 29. Juli können sich Hörfunksender oder Netzbetreiber wie Media Broadcast dafür bewerben. Ob sich aber jemand findet, der auf den Frequenzen senden will, ist unsicher.
Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) hat der ARD gerade 30 Mio. Euro verweigert, die für den Aufbau von DABplus-Angeboten vorgesehen waren. Es sei "nicht gelungen, für eine Einführung des digitalen Hörfunks einen tragfähigen Konsens mit privaten Radioanbietern herbeizuführen", so die KEF.
Ende Juni hatten sich die Privatradios gegen DABplus ausgesprochen - und die KEF-Entscheidung damit faktisch vorgegeben. "Momentan gibt es auf absehbare Zeit kein tragfähiges Geschäftsmodell", begründet Hans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer von Radio FFH und Vizechef des Privatrundfunkverbands VPRT. "Digitalisierung ist kein Selbstzweck." Er schätzt die Gesamtkosten für den DABplus-Aufbau auf rund 500 Mio. Euro.
Teil 2: Lediglich 600.000 DAB-Radios wurden verkauft