Der Münchner Halbleiterhersteller Infineon beteiligt sich nicht an dem Rettungspaket für seine angeschlagene Speicherchiptochter Qimonda. Die Bedingungen Sachsens für eine Hilfe seien nicht erfüllbar, teilte das Unternehmen am Dienstag in München mit. Der Freistaat hatte angeboten, Qimonda ein Darlehen über 150 Mio Euro zu geben, falls Infineon seiner Tochter dauerhaft 150 Mio Euro in bar zuschieße.
"Diese Forderung übersteigt bei weitem die Möglichkeiten, wie sie Infineon in den Verhandlungen mit dem Freistaat frühzeitig und deutlich zum Ausdruck gebracht hat", teilte das Unternehmen mit. "Wir sind mit dem Angebot an die Grenze der noch vertretbaren Belastungen gegangen", sagte Infineon-Chef Peter Bauer. Sein Unternehmen habe in Verbindung mit dem Verkauf eines substanziellen Aktienpaketes an Sachsen einen Kredit angeboten. "Wir bedauern außerordentlich, dass unsere Vorschläge vom Freistaat Sachsen nicht berücksichtigt worden sind."
"Nur gemeinsam mit dem Eigentümer Infineon ist eine Hilfe für Qimonda möglich", hatte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) zuvor gesagt. Der Konzern müsse seiner unternehmerischen Verantwortung gerecht werden. Es gehe um Arbeitsplätze in Sachsen und um eine Spitzentechnologie, die in der Welt einzigartig sei.
An der Börse schossen
Qimonda -Anteilsscheine zeitweise um über 50 Prozent nach oben, fielen nach der Absage von
Infineon aber wieder auf Vortagesniveau zurück.
Ähnlich enttäuscht wie die Anleger zeigte sich Regierungschef Tillich nach dem Nein aus München: "Wer aus Steuergeldern unternehmerische Hilfe erwartet, muss einen eigenen substantiellen und nachhaltigen Beitrag leisten", sagte sein Sprecher. Die Landesregierung in Dresden habe einen "konstruktiven Vorschlag" unterbreitet - worauf die Märkte "im Verlauf des Tages positiv reagiert" hätten.
Tillichs Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) glaubt indes, dass mit der Absage von Infineon das letzte Wort noch nicht gesprochen ist: Er hoffe n weiter auf ein Einlenken in der Konzernzentrale. Denn ohne einen Beitrag der Muttergesellschaft sei Unterstützung durch das Land europarechtlich nicht möglich, sagte Jurk der "Süddeutschen Zeitung". Zugleich stellte er klar, dass die Landesregierung ihr Hilfsangebot nicht aufstocken werde: Der Freistaat sei "mit seinem Angebot an die Grenze dessen gegangen, was wir gegenüber dem Streuerzahler verantworten können".