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Finanzchefs stehen heutzutage mehr denn je im Rampenlicht. Sie müssen die Aktionäre beglücken, die Wall Street überzeugen und die Mitarbeiter auf ihre Strategie einstimmen - Charismatiker sind die meisten deswegen aber noch lange nicht. Ken Goldman schafft es, selbst in dieser grauen Fraktion als ganz besonders unaufregend zu gelten. "Sehr introvertiert, fast ein wenig asozial - und extrem kostenbewusst", sagt ein früherer Kollege Goldmans.
Letztere Eigenschaft dürfte dem Silicon-Valley-Veteran beim jüngsten Karriereschritt nicht geschadet haben. Im Alter von 63, wenn andere längst an den Ruhestand denken, wird Goldman neuer Finanzchef von Yahoo . Bei dem gegen den Bedeutungsverlust und stagnierendes Wachstum ankämpfenden Internetpionier wird seit Jahren stark an der Kostenschraube gedreht. Goldman dürfte daran wenig ändern. Yahoo-Chefin Marissa Mayer rückt freilich andere Eigenschaften in den Vordergrund. "Sein Leistungsnachweis als Leiter der Finanzstrategie zahlreicher börsennotierter und privater Unternehmen macht ihn zum idealen Kandidaten für Yahoo und unsere nächste Wachstumsphase", ließ die 37-Jährige am Dienstagnachmittag in einer Mitteilung verlauten.
Wie Yahoo wieder wachsen will, wüssten alle gerne. Bei ihrem Auftritt vor Mitarbeitern am Dienstag auf dem Yahoo-Campus im Silicon Valley, für den Mayer "radikale Transparenz" versprochen hatte, bot sie Medienberichten zufolge vor allem Allgemeinplätze. Sie werde Yahoo wieder zu einem Teil des Alltags der Internetnutzer machen und sich auf Yahoos Kernkompetenzen konzentrieren um so die Nutzerzahlen, Nutzungsdauer und Werbeumsätze zu erhöhen, sagte die seit Juli amtierende Chefin und frühere Google-Topmanagerin. Das klingt genau so wie bei ihren Vorgängern. Was Mayer genau vorhat, wird sie laut Yahoo erst Mitte Oktober bei der Vorlage der Quartalszahlen öffentlich kommunizieren.
Ob Goldman dann auch sein Debüt als Yahoo-Finanzchef geben wird, ist nicht bekannt. Offiziell tritt er die Nachfolge von Tim Morse am 22. Oktober an. Es dürfte eine der verzwicktesten Aufgaben seiner gut 30-jährigen Finanzkarriere werden. Aber Erfahrung mit angeschlagenen Internetunternehmen hat Goldman: Er war von 1996 bis 2000 Finanzchef bei Excite@Home, jenem einst hochfliegenden Anbieter von Breitband-Internetzugängen, der 2001 einen der spektakulärsten Konkurse der Dotcom-Ära hinlegte.
Im Jahr 2000 holte Tom Siebel Goldman als Finanzvorstand zu seinem schnell wachsenden Softwarekonzern Siebel Systems. Der Elektroingenieur mit dem Harvard-MBA blieb bis Anfang 2006, als Siebel vom Konkurrenten Oracle geschluckt wurde. Nach einem Kurzaufenthalt bei Dexterra, einem Anbieter mobiler Unternehmenssoftware, ging Goldman für fünf Jahre als Finanzchef zu Fortinet. Der börsennotierte Anbieter von Netzwerksicherheitslösungen, der noch keinen Ersatz für Goldman bekannt gegeben hat, ist wie Yahoo in Sunnyvale im Silicon Valley beheimatet.
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Goldman, der auf seiner Facebook-Seite beim Kitesurfen zu sehen ist, ist vielleicht kein Charmebolzen. Aber er hat über die Jahrzehnte ein riesiges Beziehungsnetzwerk aufgebaut. Bevor er zu Excite ging, war er Finanzchef bei der heutigen SAP -Tochter Sybase und bei den Chipfirmen Cypress Semiconductor und VSLI Technology. Letztere wurde 1999 an Philips verkauft.
Der dreifache Vater sitzt zudem in zahlreichen Verwaltungsräten von Firmen wie der privaten Fluggesellschaft XOJet. Die Westly Group führt Goldman als Investmentpartner auf. Die auf Cleantech-Investitionen spezialisierte Risikokapitalfirma wurde vom ehemaligen Ebay -Manager Steve Westly gegründet, der von 2003 bis 2007 als Controller über die Haushaltsführung des kalifornischen Staats wachte. Kein Wunder, dass Forbes Goldman 2010 zu einem der 15 "am besten vernetzten Kapitalisten" des Landes kürte.