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Merken   Drucken   03.09.2009, 13:43 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Auf in den Bücherkampf!  

Egal wie US-Gerichte entscheiden: Die Europäer sollten Google bei der Digitalisierung von Büchern nicht einfach das Feld überlassen. Ihre beste Waffe ist das Konkurrenzprojekt Europeana. von Ina Linden
Die Methoden von Google  erinnern an einen Kunstraub. Seit 2004 scannt der Internetkonzern alles ein, was er in amerikanischen Bibliotheken zwischen die Finger kriegt, ohne Autoren oder ihre Erben um Erlaubnis zu fragen. Kein Wunder, dass amerikanische Autorenverbände gegen Googles Buchdigitalisierungsprojekt Sturm laufen und vor Gericht gezogen sind. Aber nicht nur sie: Auch die EU klinkte sich in den Rechtsstreit ein, und kurz vor Ablauf der Frist hat auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries einen 25-seitigen Schriftsatz für die Rechte betroffener deutscher Autoren bei den US-Behörden eingereicht.
Europa tut gut daran, für sein Kulturgut und die Rechte seiner Schriftsteller zu kämpfen. Allerdings kann und sollte die EU das auch außerhalb des Gerichtssaals tun - indem sie Google mit dem eigenen Projekt Europeana Konkurrenz macht.
Zu frühe Kapitulation
Zehn Millionen Bücher sind bislang auf Google Books zugänglich. Sechs Millionen davon sind entweder vergriffen, oder die Autoren sind nur schwer auffindbar. Deren Rechte hat Google schlicht ignoriert. In Europa stellt solch ein Vorgehen eine Urheberrechtsverletzung dar, der Betroffene kann Unterlassung und Schadensersatz verlangen. Auch in den USA hat Google Urheberrechte verletzt, beruft sich in dem Gerichtsverfahren aber auf das "Fair Use"-Prinzip: Der Konzern gibt an, die Bücher im Interesse der Allgemeinheit zu nutzen.
Die von diesem rüden Vorgehen alarmierten Europäer scheinen mittlerweile vor Googles vermeintlicher Übermacht zu kapitulieren. Letzte Woche gab Frankreich bekannt, die Bibliothèque nationale wolle Google einen Teil ihrer Literatur überlassen - wenn auch nur die Werke, für die keine Autorenrechte mehr bestehen. Auch EU-Medienkommissarin Viviane Reding gibt sich Google-freundlich: Das Einscannen von Büchern sei eine teure Herkulesaufgabe, die der Staat nicht allein bewältigen könne. Sie will das europäische Urheberrecht lockern und zeigt Verständnis für "den Missmut vieler frustrierter Internetfirmen", die gerne "interessante Geschäftsmodelle" anbieten möchten.
  • Aus der FTD vom 03.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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