Springer entlässt bis Ende 2003 ein Zehntel seiner Belegschaft, rund 1400 Mitarbeiter werden abgebaut. Eine "Forsetzung der konsequenten Sparpolitik" nennt Springer den Personalabbau. "Massentlassungen" würde der Volksmund dazu sagen. Jener Volksmund, den Springer in seinem Massenblatt "Bild" so gerne die Stimme gibt.
Einen Verlag mit einer so langen Tradition konservativer Weltanschauung wie Springer fällt ein solcher Schritt besonders schwer. Denn die Unternehmensphilosophie von Verlagsgründer Axel Cäsar Springer sieht vor, dass jene Mitarbeiter, die treu zu ihrem Chef stehen, auch nicht im Regen stehen gelassen werden: Der Verleger und seine Getreuen - in guten wie in schlechten Zeiten. Was der verstorbene Axel Cäser Springer nicht ahnte, war, dass die Zeiten so schlecht werden können wie sie jetzt sind.
Der Springer-Verlag, der es lange Zeit so gut verstand aus Druckmaschinen Geldmaschinen zu machen, steht kurz davor, in ein betriebswirtschaftliches Desaster zu schlittern. Bei gerade mal ein Prozent lag die letzte ausgewiesene Gewinnmarge von Springer - nur 14 Mio. DM Gewinn bei einem Umsatz von 1,43 Mrd. DM im ersten Halbjahr. Ohne Radikalsanierung wird der Konzern gnadenlos in die Verlustzone schlittern, deshalb musste er jetzt Personal abbauen. Wie der designierte Springer-Chef Matthias Döpfner diesen Schritt allerdings mit der Unternehmensphilosophie des Hamburger Verlagshauses vereinbaren kann, fragen sich nicht nur die Mitarbeiter, die jetzt um ihre Stellen zittern müssen.