Das US-Magazin "Entertainment Weekly" macht es vor: Der TV-Sender CBS und der Brausehersteller Pepsi kleben in Tausende Ausgaben des Kulturmagazins kleine, ultraflache Bildschirme, auf denen sie Trailer und Werbespots abspielen.
Damit nähert sich die darbende Printbranche mit großen Schritten ihrem alten Traum von der elektronischen Zeitung. Ein digitales Trägermedium, das alle strukturellen und haptischen Vorteile klassischer Zeitungen und Zeitschriften verbindet mit den Errungenschaften der Digitalisierung. Noch sind diese "Papierbildschirme" sündhaft teure Fingerübungen. Mehrere Dollar kostet in "Entertainment Weekly" jedes einzelne Display, das mit über zwei Millimetern Dicke auch noch meilenweit entfernt ist vom Format echten Papiers. Doch angesichts der rasanten technischen Entwicklung ist es vermutlich nur noch eine Frage der Zeit, bis richtiges digitales Papier zur Serienreife kommt.
Zunächst könnte die neue Technik die Werbevermarktung revolutionieren: Bewegtbildwerbung wird dann auch für Printverlage zum Vermarktungsargument. Dereinst könnte das digitale Papier helfen, die Kluft zwischen Print- und Onlinejournalismus zu schließen. So könnte die digitale Zukunft des Journalismus den Weg zurückfinden in klassische Medienformate.
Zeitung plus Internet: eine Killer-Applikation
Es hat ja einen Grund, dass Zeitungen seit ihrer Erfindung in einem typischen, eigenen Layout erscheinen: Sie strukturieren die Themenvielfalt, ordnen ein und gewichten. Sie führen den Leser durch die Vielfalt der Ereignisse - und liefern ihm Themen, die er aus eigener Initiative im Internet vielleicht gar nicht gesucht hätte.
Das ist eine Leistung, die angesichts der weitgehend ungefilterten Informationsflut, die auf die Internetnutzer hereinbricht, in Zukunft noch wichtiger wird als je zuvor. Diese Fähigkeit zu verknüpfen mit wechselnden oder bewegten Bildern und der Möglichkeit, Inhalte zu aktualisieren - das wäre eine Killerapplikation für die Branche.
Noch ist das Zukunftsmusik. Doch der CBS-Pepsi-Vorstoß deutet an: Es ist möglich.