Der Versandhändler Otto reagiert mit einem Konzernumbau auf die härtere Konkurrenz aus dem Internet. Im verkleinerten Führungsgremium wird künftig ein eigener Vorstand für den E-Commerce-Bereich des gesamten Konzerns verantwortlich sein. Der größte Bereich, der Otto-Versand, bekommt eine eigene Geschäftsführung. Die Töchter Baur und Schwab werden einerseits organisatorisch enger an Otto gebunden und müssen andererseits ihr Sortiment stärker abgrenzen.
Hauptumsatz im Netz
Mit dem Umbau reagiert der Konzern auf den zunehmenden Konkurrenzdruck, vor allem im Internet. Mittlerweile macht der Otto-Versand drei Viertel seines Umsatzes im Netz. Dort kämpfen jedoch große Konkurrenten wie Amazon , Zalando oder die Onlineableger der Modeketten Zara und H&M um Marktanteile. Otto hat ihnen mit seinen vielen kleinen Onlineshops immer weniger entgegenzusetzen - die Marktanteile sinken.
Mit der Personalrochade werden die bisher getrennten Geschäfte nun gebündelt. Ab August wird Konzernvize Rainer Hillebrand alle E-Commerce-Geschäfte der Otto Group koordinieren. So soll es unter anderem zu einem besseren Erfahrungsaustausch kommen. Dafür gibt er die Verantwortung für den Otto-Versand ab. Der ist künftig gar nicht mehr direkt im Konzernvorstand verankert, sondern wird nur von Alexander Birken dort vertreten - gleichauf mit mit den anderen Töchtern, Baur und Schwab.
Im Gegenzug bekommt der Versand erstmals eine eigene Geschäftsleitung. Bisher wurde er vom Vorstand nebenher geführt: Dessen Sprecher ist Birken. Außerdem sitzt in dem Gremium unter anderem Michael Heller, der seinen Platz im Konzernvorstand verliert und künftig nur die Verantwortung für die Sparte hat.
Kündigungen möglich
Der Umbau steht in Zusammenhang mit dem Programm "Fokus Zukunft", das in den vergangenen Wochen die Belegschaft beunruhigt hat: Es wird möglicherweise Kündigungen in dem erfolgsverwöhnten Konzern zur Folge haben. Zwar werden Details noch ausgehandelt. Klar ist aber, dass die drei Versandtöchter der Gruppe - jede mit eigenem Standort - ihre Eigenständigkeit teilweise einbüßen werden. Auch ihre Ausrichtung soll sich verändern.
"In Zukunft wird es in Deutschland wahrscheinlich nur noch zwei große Onlineanbieter mit Universalangebot geben: Amazon und Otto", sagte Aufsichtsratschef Michael Otto der "Berliner Zeitung". Baur und Schwab hätten nicht die nötige Größe für einen Universalversender und würden deshalb zu Spezialanbietern entwickelt.