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Merken   Drucken   03.01.2012, 20:47 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Alexander Ljung - Hörbar erfolgreich

Der Schwede ging mit seinem Startup Soundcloud bewusst nach Berlin. Es soll zum Youtube für Geräusche werden. Dabei helfen ihm eine Millionenfinanzierung - und Giraffen. von Teresa Goebbels, Hamburg
"2012 beginnt mit einem Knall", schrieb Alexander Ljung am 2. Januar beim Kurznachrichtendienst Twitter. Damit meinte der Gründer und Chef des Musiktauschdienstes Soundcloud aber nicht etwa das Silvesterfeuerwerk. Auch nicht die 50 Mio. Dollar, die sein Startup laut dem Blog Techcrunch gerade von Kleiner Perkins Caufield & Byers bekommen hat. Ljung sprach vielmehr von seinen 29 Jahre alten Knochen: "Mit gebrochenem Fuß in Miami."
Abgesehen von dem schlechten gesundheitlichen Start kann der schwedische Unternehmer aber nicht eben über Pech klagen. Sein Startup gehört zu denen, die sich vom Grundrauschen der Techgründungen abheben. Er will es zum Youtube für Geräusche machen. Anfangs war es bloß eine Plattform, auf der Musiker Rohversionen ihrer Stücke tauschen sollten, etwa mit anderen Künstlern und Plattenfirmen.
Alexander Ljung will mit seinem Startup Soundcloud die Welt ...   Alexander Ljung will mit seinem Startup Soundcloud die Welt akustisch vermessen
Deshalb auch Berlin. Vor viereinhalb Jahren zog Ljung mit seinem Mitgründer Eric Wahlforss dorthin. Dass ihr Unternehmen in Europa sitzen würde, stand für die Gründer ohnehin fest, die Musikszene sei dort viel spannender als in San Francisco, sagte Ljung einmal. Also die deutsche Hauptstadt und nächtliche Touren durch die Klubs. So betreibt man als hippes Startup der Musikbranche Akquise: Nachts um 4 Uhr auf der Tanzfläche Produzenten ansprechen.
Sie mussten sich zusammenreißen, sagt Ljung, um nicht zu sehr dem Lotterleben zu verfallen: "Es gibt in Berlin ja quasi ,professionelle‘ Klubgänger und genug Leute, die sich mit zehn Stunden Arbeit in der Woche über Wasser halten können."
Ljung und Wahlforss arbeiten deutlich mehr - haben aber wohl auch genügend zusammen gefeiert. Die beiden kennen sich schon aus Studienzeiten in Stockholm. Ljung belegte Kurse aus allen möglichen Fachrichtungen: Philosophie, Literaturgeschichte, Politik, Filmmusik. Auch an der technischen Hochschule war er eingeschrieben, für Medientechnik - und war nebenher der dortige Gleichstellungsbeauftragte.
Seit etwa einem halben Jahr pendelt er nach San Francisco, wo Soundcloud im September seine erste amerikanische Niederlassung bezogen hat. Die Schweden expandieren und erweitern ihr Geschäftsmodell, deshalb nun doch auch das Silicon Valley.
Mehr als neun Millionen Nutzer hat Soundcloud seit der Gründung 2007 gewinnen können. Denen knöpft Ljung, zumindest für die Premiumversion, seit dem ersten Tag Geld ab - und hebt sich auch damit vom klassischen Startup des Valley ab. "Die dachten, wir wären vollkommen verrückt, weil wir ein Geschäftsmodell hatten und Geld von den Leuten verlangt haben", sagt Ljung. Ihm sei das aber sinnvoll erschienen: "Sobald man von jemandem Bezahlung verlangt, konzentriert man sich darauf, ein gutes, wertvolles Produkt zu schaffen."
Folglich haben die Schweden ihre Plattform ausgebaut. Sie dient nun nicht mehr nur dem Tausch von Musik, sondern auch dem von Geräuschen. Als Ljung vergangenen September in Kenia urlaubte und ihm ein paar Giraffen über den Weg liefen, drückte er deshalb bei seinem Smartphone nicht auf den Kameraauslöser, sondern nahm die Geräusche auf, die die Langhälse von sich gaben, und veröffentlichte sie bei Soundcloud.
So könnte es auch mit dem Knistern von Schokoriegelpapier gelaufen sein. Es könnte bald Teil seiner akustischen Vermessung der Welt sein: In San Francisco lieh Ljung sich von einem neuen Mitarbeiter dessen Wagen und hinterließ ihm als Dankeschön eine Notiz: "Danke, dass ich mir dein Auto leihen durfte. Alex." Dazu: einen Schokoriegel. Jedes Geräusch ist wichtig, der Firmengrundsatz einfach: Ton, prophezeit Ljung, wird wichtiger als Film.
  • Aus der FTD vom 04.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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