Kopf des Tages:Brian Sullivan - Inspektor Gadgets schwerster Fall
Der deutsche Bezahlsender Sky siecht dahin, Rettungsversuche waren bislang vergeblich. Nun richtet sich die Hoffnung auf Brian Sullivan. Der Technikliebhaber hat in Großbritannien schon kleine Wunder vollbracht. von Lutz Knappmann
Nun muss er den Helden spielen. Brian Sullivan, 47, ist die letzte Hoffnung für den siechen Bezahlsender Sky Deutschland. Ab April 2010 soll der jetzige Manager des Senders British Sky Broadcasting (BSkyB) vollbringen, woran sein Vorgänger Mark Williams, 48, gescheitert ist: Bezahlfernsehen auch in Deutschland zum profitablen Geschäft zu machen.
Brian Sullivan, Manager von British Sky Broadcasting
"Wenn einer den Sender retten kann, dann er", hieß es vor gerade einmal 14 Monaten über Williams. Nun heißt es das über ihn, Sullivan, den sie in Großbritannien "Inspektor Gadget" nennen.
Aufgewachsen in Philadelphia, arbeitet der Amerikaner seit 13 Jahren beim britischen Bezahlsender BSkyB, der ebenso wie Sky Deutschland vom US-Medienkonzern News Corp. dominiert wird. Seit 2006 ist Sullivan Herr über sämtliche Kundenbeziehungen, verantwortet Produktentwicklung, Vertrieb, Kundenservice und Marketing. Sullivan ist, genau wie Williams, ein enger Vertrauter von News-Corp.-Europachef James Murdoch. Nun schickt der ihn zum Rettungseinsatz nach Unterföhring.
Doch Sky hat offenbar schon zu viele Helden ins Rennen geschickt. Jedenfalls kommt der Führungswechsel bei Kunden und Aktionären schlecht an. "Persönliche Gründe" nennt der bisherige Vorstandschef Williams für seinen Rückzug nach London, wo seine Familie lebt. Ein Eingeständnis, dass die Sanierung von Sky noch viel Zeit brauchen wird - wenn sie überhaupt je gelingt. Mehr Zeit jedenfalls, als Williams sich und seiner Familie zumuten will. Die Antwort der Börse ist deutlich: Um fast sechs Prozent stürzte die Sky-Aktie am Donnerstag ab.
Vermutlich braucht Sky nun tatsächlich jemanden wie Sullivan. Keinen Zahlenmenschen wie Williams, sondern einen technikverliebten Manager, der den angestaubten Pay-TV-Kanal ins digitale Medienzeitalter treibt. So wie beim britischen Vorbild BSkyB, das mittlerweile 9,5 Millionen Kunden hat. Sullivan verantwortete dort den Wechsel zu digitalen Angeboten und führte das hochauflösende HDTV ein. Für 2010 bereitet er den Start von 3-D-Angeboten vor. So kam Sullivan auch zu seinem Spitznamen: Gadget, ein mit technischen Raffinessen gesegneter Superheld.
Nur ist das mit Spitznamen so eine Sache. Inspektor Gadget, so geht die Comicvorlage, ist tollpatschig und bringt sich mit seinen Technikspielereien gern selbst in Schwierigkeiten. Ein bisschen wie das frühere Management des einzigen deutschen Bezahlsenders, als der noch Premiere hieß.
Über Sullivans Führungsstil ist indes wenig überliefert. News-Corp.-Mitarbeiter beschreiben ihn als eloquent und uneitel. Er lebe "in der Kundenperspektive", loben ihn Weggefährten. Nun muss er beweisen, dass er auch die deutschen Fernsehkunden versteht. Doch die 20-jährige leidvolle Geschichte des hiesigen Bezahlfernsehens lässt ahnen, dass sie anders ticken als in Großbritannien.
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