Michael Seidling, der Vorsitzende Richter im Prozess gegen TV-Moderator Jörg Kachelmann
Von Montag an steht Seidling wieder im Licht der Fernsehkameras - und diesmal ist das öffentliche Interesse noch ungleich größer. Seidling ist der Vorsitzende Richter im Prozess gegen den TV-Wettermoderator Jörg Kachelmann. Dem 52-Jährigen wird vorgeworfen, seine ehemalige Lebensgefährtin vergewaltigt zu haben.
Zwölf Verhandlungstage sind fürs Erste angesetzt, und für die Anwälte, die öfter mit Seidling zu tun haben, ist klar, wie der 59 Jahre alte Richter diese Verhandlung führen wird: streng. Eine "natürliche Autorität" bescheinigt ihm ein Strafverteidiger, der Seidling über die Jahre hinweg immer wieder erlebt hat: "In seinem Gerichtssaal weiß man, wo der Vorsitzende sitzt." Seidling sei aber auch einer, der einstecken könne. "Er verübelt es Ihnen nicht, wenn Sie engagiert verteidigen." Die hohe Strafe im Flowtex-Verfahren lasse sich nicht verallgemeinern, sagt ein Strafverteidiger. "Sie kriegen bei Seidling nichts geschenkt, aber Flowtex war ein Sonderfall." Bei der Höhe des Strafmaßes liege der Vorsitzende sonst eher "im gesunden Mittelmaß".