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Merken   Drucken   13.01.2009, 10:56 Schriftgröße: AAA

Kritische Verschuldung: Zeitungsverkauf reicht Mecom nicht

Nach dem Verkauf der Geschäfte in Deutschland hält der Druck auf die britische Medienholding Mecom an, weitere Beteiligungen abzustoßen, um die Schuldenlast abzubauen. "Das Unternehmen ist auf den Knien", meint ein Analyst.
von Matthias Lambrecht (Hamburg)

Zwar hat das von David Montgomery geführte Unternehmen Einschätzungen von Branchenkennern zufolge in den Verkaufsgesprächen mit dem Kölner Zeitungshaus M. DuMont Schauberg (MDS) einen relativ hohen Preis ausgehandelt. Doch der Erlös reicht nicht aus, um angesichts sinkender Gewinne aus dem Anzeigengeschäft die Auflagen der kreditgebenden Banken zu erfüllen.

MDS und Mecom einigten sich auf eine Summe von 152 Mio. Euro. Zwischenzeitlich war in Branchenkreisen von bis zu 170 Mio. Euro die Rede gewesen. Wenn die Anteilseigner von Mecom zustimmen und das Bundeskartellamt die Übernahme absegnet, wechseln die "Berliner Zeitung", die Boulevardblätter "Hamburger Morgenpost" und "Berliner Kurier", das Berliner Stadtmagazin "Tip" sowie der Internetnachrichtendienst "Netzeitung" den Besitzer.

Montgomery hatte sich unter dem Druck der Banken zum Verkauf seines deutschen Geschäfts entschlossen. Die Schulden des Konzerns lagen nach Informationen aus Finanzkreisen Ende 2008 bei 650 Mio. Pfund (680 Mio. Euro) . Die Institute hatten Mecom zuletzt noch zwei Monate Aufschub gewährt, um die Verbindlichkeiten zurückzufahren, die im Zuge verschiedener Übernahmen in Europa in den vergangenen Jahren entstanden sind.

Doch auch mit dem Verkauf des Deutschlandgeschäfts ist Mecom vom vorgegebenen Ziel noch ein gutes Stück entfernt: Mit den Banken ist vereinbart, dass die Nettoschulden im laufenden Jahr das 3,25-Fache des operativen Gewinns (Ebitda) nicht übersteigen dürften. Analyst Simon Davies von ABN Amro erwartet für 2009 ein Ebitda von rund 164 Mio. Pfund und rechnet mit weiteren Anteilsverkäufen: "Das Unternehmen ist auf den Knien. Sie werden am Ende alles veräußern müssen, was sie können", sagte Davies. Mecom prüft bereits, sich in Norwegen und Polen von Beteiligungen zu trennen.

Angesichts des einst eingesetzten Kapitals von insgesamt mehr als 200 Mio. Euro haben sich Montgomerys Erwartungen in Deutschland nicht erfüllt. Da aber für Printmedien derzeit kaum mehr als das Sechs- bis Siebenfache des Ebitda gezahlt werden, sei ein Erlös von 152 Mio. Euro ein "sehr attraktiver Preis für ein Geschäft in einem sehr hart umkämpften Markt", so Davies. Für Mecoms hiesiges Geschäft im laufenden Jahr hatte der Analyst zuletzt einen operativen Gewinn von 14 Mio. Euro veranschlagt.

MDS hatte wiederholt Interesse an der "Berliner Zeitung" gezeigt. Daher waren die Briten Ende Oktober an den Kölner Verlag herangetreten. An den Kaufverhandlungen waren Mecoms kreditgebende Banken aktiv beteiligt.

  • Aus der FTD vom 13.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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