Hollywood-Spitzenmanager Keith Feldman ist seit Tagen auf Europa-Tour. Seine Stationen sind London, Paris, Berlin. Seine Mission: die Krise auf dem Markt für Heimvideos bekämpfen. Feldmans Botschaft ist grenzenloser Optimismus. Der Einbruch beim Verkauf von DVDs werde schon bald vom Nachfolgerformat Blu-ray-Disc aufgefangen, sagte Feldman, der Home-Entertainment-Auslandschef von 20th Century Fox, am Mittwoch der FTD: "Dieses Jahr ist entscheidend für den Erfolg von Blu-ray." Im ersten Quartal sei der Umsatz bei den Blu-ray-Discs in Deutschland um 40 Prozent gestiegen. Bis Ende des Jahres wolle man bei einzelnen Blockbuster-Filmen über 50 Prozent der Videoverkäufe mit Blu-ray-Discs erzielen.
Die Studios stehen unter Druck. Ihre wichtigste Einnahmequelle, der Verkauf von Heimvideos, bricht weg. Mit dem Verkauf von DVDs erzielte Hollywood im vergangenen Jahrzehnt jährlich mehr als 20 Mrd. Dollar (14,1 Mrd. Euro) Umsatz. Doch allein im vergangenen Jahr stürzten die Absätze in den USA um 20 Prozent ab. Die Piraterie im Internet macht der Branche zu schaffen. Nur wenige Menschen bedienen sich im Internet legaler Angebote. Stattdessen kämpfen die Studios weiter mit illegalen Downloadportalen oder Streamingdiensten.
Am Dienstag ging beispielsweise Kinox.to online - die Nachfolgeseite zum bedeutendsten deutschen Angebot von Filmpiraten, Kino.to. Erst im Juni wurden 13 Verdächtige im Zusammenhang mit Kino.to verhaftet. Er freue sich, schrieb damals der Chef der Allianz Deutscher Film- und Fernsehproduzenten, Alexander Thies, dass es gelungen sei, "dieses für die Internet-Piraterie zentrale Angebot so nachhaltig zu treffen". Nun jedoch ist Kinox.to online und bietet rund 100.000 Titel zum Download an. Und die Filmbranche fürchtet den neuen Anbieter. "Es hat sicherlich aufgrund der Wiedererkennung Potenzial - Kino.to war ja schon eine Marke, wenn auch eine illegale", sagte eine Sprecherin der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen, die im Auftrag der Filmbranche Filmpiraterie bekämpft.
Doch auch ohne illegale Konkurrenz tut sich die Branche schwer am Heimvideomarkt. In den Boomjahren der DVD machten die Studios Milliardenumsätze mit DVD-Veröffentlichungen ihrer Filmklassiker aus den Archivbeständen.
Die Nachfrage nach der Archivware ist nun gesättigt. Die DVD könnte für die Studios eine einmalige Erfolgsgeschichte gewesen sein. "Ich glaube nicht, dass ein physischer Datenträger jemals wieder solche Umsätze erzielen wird wie die DVD", sagt Michael Schidlack, Experte für Consumer Electronics beim Branchenverband Bitkom. "In manchen Märkten könnte die Blu-ray-Disc die Umsätze ausgleichen, die derzeit beim DVD-Verkauf verloren gehen" , sagt Jim Bottoms, Analyst bei der britischen Beratungsfirma Futuresource Consultant. Durch die Unterstützung des Handels etwa hierzulande habe sich die Aufmerksamkeit für Blu-ray stark erhöht, sagt Bottoms.
Teil 2: Besonders chancenreicher Blu-ray-Markt Deutschland