Als Google-Gründer Larry Page vergangene Woche seine Stimme verlor, war das zunächst noch lustig. Das werde ihn zu einem besseren Chef machen, soll Sergey Brin, Mitbegründer des US-Konzerns, geflachst haben. Immerhin müsse Page nun seine Worte mit Bedacht wählen.
Statt flotter Sprüche hätten die Investoren aber gern ein paar mehr Informationen als das, was bislang bekannt ist. Der 39-jährige Chef und Großaktionär fehlte am Donnerstag auf der Google -Hauptversammlung, weil er auf ärztlichen Rat hin mehrere Wochen seine Stimme schonen müsse. Page fülle seine Position weiter aus, werde aber "bis auf Weiteres" keine Auftritte absolvieren. Mehr gab es nach Ansicht von Google offiziell nicht zu sagen.
Am Wochenende zirkulierte in US-Medien dann eine interne E-Mail von Page, es sei "nichts Ernsthaftes". Für Google könnte die Sache gleichwohl zu einem ernsten Problem werden.
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Für jeden normalen Angestellten ist die Gesundheit Privatsache. Für Firmenchefs trifft das nur bedingt zu, besonders wenn sie so einflussreich sind wie Page bei Google. In den USA fordern Experten deshalb, der Konzern müsse rasch Stellung beziehen. Einige Beobachter assoziierten den Fall Page schnell - und bislang unbegründet - mit der Krebserkrankung von Steve Jobs. Apple machte damals so lange ein Geheimnis aus dessen Leiden, dass sogar die US-Börsenaufsicht SEC Ermittlungen aufnahm.
Tatsächlich gehen Unternehmen recht unterschiedlich mit diesem sensiblen Thema um. Infineon-Chef Peter Bauer etwa machte im Mai seine Osteoporoseerkrankung öffentlich und kündigte seinen Rücktritt für den September an. Mit Apple und Jobs im Hinterkopf kämen die Leute "schnell zu einem Schluss, der nicht richtig sein könnte", sagte Needham-Analyst Kerry Rice.
Nun orakeln Hals-Nasen-Ohrenärzte in den USA, mit welchem Krankheitsbild Patienten wohl ein mehrwöchiges Sprechverbot aufgebrummt bekämen. Am Freitag schloss die Google-Aktie im Plus - doch es wird munter spekuliert. "Wir haben keinen Grund zu glauben, dass mehr hinter der Erkrankung steckt", schreibt JP-Morgan-Analyst Douglas Anmuth. "Wir finden es aber seltsam, dass das Unternehmen schon heute ausschließt, dass Page an der Telefonkonferenz zum zweiten Quartal teilnimmt, die noch Wochen entfernt ist."
Klarheit kann nur Google selbst schaffen. Doch der Konzern schweigt, wie sein Chef Page.