Ziel ist es, die Hunderte bestehenden Privatverlage zu legalisieren und die Grundlagen für eine wirtschaftlich überlebensfähige Branche zu legen.
Peking werde private Verleger zu einem wichtigen Bestandteil der Branche machen und Geldgeber aus der freien Wirtschaft zu Investitionen ermutigen, teilte die zuständige chinesische Regulierungsbehörde mit. Die Investoren könnten auch Minderheitsbeteiligungen an staatlichen Unternehmen erwerben.
"Dies ist ein historischer Moment. Seit den 50er-Jahren hatte China darauf bestanden, dass alle Verlagsaktivitäten von staatlicher Seite durchgeführt werden", sagte Generalsekretär Xue Ye vom China Private Book Industry Committee. Der Branchenverband unabhängiger Verleger war 2000 im Vorfeld des chinesischen Beitritts zur Welthandelsorganisation gegründet worden.
Durch die Reformen wird das Gesetz der Realität angepasst - allerdings mit deutlicher Verzögerung, denn private Verlage sind bereits jetzt für einen großen Teil der Inhalte zuständig und treiben die Neuerungen in der Branche voran. Die bislang halblegalen Verlagshäuser geben Schätzungen zufolge bis zu 1 Mrd. Yuan (110 Mio. Euro) pro Jahr dafür aus, staatlichen Verlagen ISBN-Nummern abzukaufen oder von ihnen zu leihen. "Es herrschen parasitäre Verhältnisse", sagte Xue.
Aktuell erlaubt Peking die Existenz von Privatverlagen nur für fremdsprachige Bücher. Der Branchenverband schätzt, dass die mehr als 300 Privatverlage rund ein Drittel zum 60 Mrd. Yuan schweren chinesischen Markt beitragen und für rund 80 Prozent aller Bestseller verantwortlich sind. So wird etwa eines der derzeit meistverkauften Sachbücher offiziell vom Staatskonzern Phoenix Publishing verlegt, der tatsächliche Verlag aber ist Kong Hong Beijing Book.
Im Zuge der Reformen sollen die staatlichen Verlage ihre Produktivität steigern. Durch Fusionen, Zukäufe und Börsengänge sollen - entweder thematisch oder regional aufgeteilt - insgesamt sechs oder sieben Großverlage entstehen, die jeweils mehr als 10 Mrd. Yuan Jahresumsatz erzielen.
Es sei kein Schritt in Richtung der angestrebten verlegerischen Freiheit, sagte Xue: "Aber wir halten es dennoch für einen ersten Schritt in Richtung Rechtsstaatlichkeit im Verlagsbereich." Seiner Einschätzung nach wird die neue Regelung dazu führen, dass staatliche Verlagshäuser wie Liaoning Publishing und Phoenix Publishing private Verlage aufkaufen.
Der landesgrößte Verlag China National Publishing dürfte auch im Zuge der Reform seine Pläne vorantreiben, einige Tochterfirmen an die Börse zu bringen. Einige andere staatliche Verleger haben ihre kommerziellen Ableger bereits zum Aktienhandel freigegeben.
Für ausländische Verleger, die in China aktiv sind, hat die Kursänderung der chinesischen Regierung keine Auswirkungen. Sie konnten bislang schon fremdsprachige Bücher in China auf den Markt bringen.