Und das, obwohl der Softwarekonzern im vergangenen Jahr noch stolze 47 Mrd. $ für Yahoo geboten hatte. Geld soll bei der neuen Suchpartnerschaft erst später fließen: wenn
Microsoft irgendwann 2010 in seiner neuen Suchmaschine Bing die von
Yahoo verkauften Anzeigen einblendet.
Dennoch hat der Deal Charme. Nur auf den ersten Blick mutet die Zusammenarbeit an wie das ohnmächtige Aufbegehren zweier Zwerge gegen den übermächtigen Riesen
Google . Für Yahoo ist er in der derzeitigen Lage der Rettungsanker. Das Unternehmen bekommt dadurch Zeit, sein Geschäftsmodell neu auszurichten. Seit es seine einstige Vormachtstellung als Suchmaschine an Google abgeben musste, hat Yahoo bisher vergeblich versucht, seine verschiedenen Angebote zu einem gewinnbringenden Ganzen zu einen.
Für Microsoft ergibt die Zusammenarbeit sogar noch mehr Sinn. Der Konzern hat genug Bargeld in der Hinterhand, um sich langfristig angelegte strategische Deals zu erlauben. Nun wettet er darauf, dass er mit der Hilfe von Yahoos Technik seine neue Suchmaschine Bing so weit verbessern kann, dass sie eine echte Alternative wird. Immerhin hatte Microsoft mit Bing nach jahrelanger spektakulärer Erfolglosigkeit im Internetgeschäft erstmals einen Achtungserfolg erzielt.
Zudem verdreifacht Bing auf einen Schlag seine Reichweite, indem alle Yahoo-Suchen künftig dort landen. Mehr Suchen bedeuten mehr Wissen über die Nutzer, und das lässt sich später vielleicht zu Geld machen. Das alles mit geringem Risiko, denn Microsoft zahlt an Yahoo nur einen Umsatzanteil, und es erspart sich - anders als bei einer Komplettübernahme - die schwierige Integration der beiden unterschiedlichen Firmenkulturen.
Vor allem bedeutet eine größere Reichweite die Chance, beim Verkauf von Suchanzeigen eine Konkurrenz zu Google aufzubauen. Bisher ist "Microhoo" zwar mit 28 Prozent Marktanteil in den USA noch weit abgeschlagen. Doch schon zehn Prozentpunkte mehr würden ausreichen, um den Anzeigenverkäufern von Yahoo überzeugende Argumente an die Hand zu geben. Wenn ein Zwerg sich auf die Schultern des anderen stellt, kann er dem Riesen kräftig in die Kniekehlen schlagen.