Die Sängerin Gracia während der Show "Germany 12 Points!"
Die Titel sollen gezielt gekauft worden sein, um sie in der Hitparade nach oben zu hieven. Darunter ist auch der deutsche Beitrag für den Eurovision Song Contest in Kiew, "Run & Hide" von Gracia, wie der Bundesverband der Phonographischen Industrie mitteilte. Ein Sprecher des Verbands sagte, der Fall sei einmalig in der deutschen Chart-Geschichte.
Von dem Ausschluss betroffen sind neben der Gracia-Single die Titel "I Know" und "Blue Tattoo" von Vanilla Ninja, "Heaven is a Place on Earth" von Virus Incorporation sowie die Alben "Traces of Sadness" und "Blue Tattoo" von Vanilla Ninja. Die Firma Media Control habe den Verdacht, dass diese Titel gezielt gekauft worden seien, um die Platzierung innerhalb der Top 100 zu beeinflussen, erklärte der Verband. Das Vorgehen richte sich aber nicht gegen die betroffenen Künstler oder ihre Vertriebsfirmen. Media Control erhebt die wöchentlichen Charts.
Nicht der erste Verdacht
Hintergrund sind Ermittlungen gegen die Firma Bros Music in Weil am Rhein, die die genannten Interpreten produziert. Medienberichten zufolge hatte Bros Music Aufkäufer beauftragt, gezielt CDs von Bros-Music-Künstlern zu erwerben und so deren Chart-Positionen positiv zu beeinflussen.
Die Vorwürfe waren bereits Ende März durch einen Bericht der Sat 1-Sendung "Akte 05" publik geworden. Darin hatte Media Control von verdächtigem Kaufverhalten berichtet. Bros Music hatte daraufhin eine interne Untersuchung angekündigt und erklärt, der Kauf von eigenen Produkten sei in der Branche gängig. Nach Angaben des Verbands hat es schon mehrfach ähnliche Manipulationsverdachte gegeben, noch nie sei jedoch ein Chart-Ausschluss verhängt worden.
Die 22-jährige Gracia, bekannt durch die RTL-Sendung "Deutschland sucht den Superstar", war nur wegen einer auf ihrer Chartplatzierung basierenden "wild card" in die deutsche Vorentscheidung Mitte März gekommen.
Gracia bleibt im Wettbewerb
Der für den Eurovision-Contest zuständige NDR lehnte eine Revision der Entscheidung ab. "Gracia bleibt die Vertreterin Deutschlands beim Eurovision Song Contest am 21. Mai in Kiew", sagte NDR-Unterhaltungschef Jürgen Meier-Beer in Hamburg.
Zur Begründung fügte er hinzu, es sei nicht erkennbar, dass die Zuschauerentscheidung bei einer regulären Anmeldung ohne Chart-Platzierung anders ausgefallen wäre. Die Korrektheit der Zuschauerentscheidung sei zudem durch eine nachträgliche Überprüfung der Telefon- und SMS-Abstimmung bestätigt worden.