Die in Düsseldorf erscheinende Tageszeitung "Handelsblatt" ist in die Verlustzone gerutscht. Das Blatt schreibe rote Zahlen, sagte Michael Grabner dem Fachmagazin "Wirtschaftsjournalist". Grabner ist "ständiger operativer Berater" der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, in der das "Handelsblatt" erscheint, und zudem enger Vertrauter des Verlegers Dieter von Holtzbrinck. Bislang hatte die Handelsblatt-Führung die prekäre Lage immer verneint.
Ob die wirtschaftliche Lage und Grabners öffentliches Eingeständnis Folgen für die Redaktion und damit die journalistische Qualität haben, ist unklar. Die vor einem Jahr im Fachmagazin "Kontakter" angekündigte Online-Offensive verläuft aber offensichtlich nicht wie geplant. Damals hatte es geheißen, die Online-Redaktion des "Handelsblatts" werde mittelfristig von 50 auf 100 Journalisten verstärkt. Laut Impressum sind bei "Handelsblatt Online" derzeit aber nur 23 Journalisten tätig.
Offenbar zwingt die angespannte wirtschaftliche Lage den Verlag bereits zu ungewöhnlichen Mitteln: Um seiner Vertriebstruppe zur Seite zu springen, verschickte der Chefredakteur des "Handelsblatts" am Mittwoch eine Massen-E-Mail mit dem persönlichen Angebot, seine Zeitung für 100 Tage "frei Haus" zu liefern - auch wenn man bei ihm "keinen Grill und keinen Tankgutschein" bekomme.