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Merken   Drucken   11.11.2012, 11:19 Schriftgröße: AAA

Missbrauchsaffäre: BBC-Chef tritt nach Falschbericht zurück

Der Generaldirektor der BBC tritt nach einem umstrittenen TV-Beitrag zurück. Der Film über die Missbrauchsaffäre, die der Sender derzeit aufzuklären versucht, bezichtigte einen ehemaligen Tory-Politiker des Kindesmissbrauchs - offenbar zu unrecht.

Der Generaldirektor des britischen Senders BBC, George Entwistle, ist wegen eines umstrittenen Beitrags über eine Missbrauchaffäre zurückgetreten. "Ich habe beschlossen, dass es ein Gebot der Ehre ist, das Amt des Generaldirektors aufzugeben", sagte Entwistle am Samstagabend in London. Der Film hätte niemals gezeigt werden dürfen. In dem Beitrag hatte die BBC den ehemaligen Schatzmeister der Konservativen Partei, Alistair McAlpine, als vermeintlichen Täter ins Spiel gebracht.

McAlpine hatte sich am Freitag an die Öffentlichkeit gewandt und die Vorwürfe vehement bestritten. Auch eines der Opfer aus den 70er und 80er Jahren, als in walisischen Heimen zahlreiche Kinder missbraucht worden waren, entlastete McAlpine.

"Was hier passiert ist, ist vollkommen inakzeptabel. Ich habe klare und entschiedene Schritte veranlasst, um herauszufinden, was passiert ist und um die Dinge geradezurücken", hatte BBC-Generaldirektor Entwistle vor seiner Rücktrittserklärung gesagt. Auch "Guardian"-Kolumnist George Monbiot entschuldigte sich, dass er den Namen von McAlpine in einer Twitter-Kurznachricht erwähnt hatte.

Die BBC steht wegen eines Missbrauchsskandal um den ehemaligen Moderator Jimmy Savile sowieso schon im Kreuzfeuer der Kritik. Der vor einem Jahr gestorbene ehemalige Star-Moderator und andere sollen über Jahre hinweg 300 junge Menschen missbraucht haben. Die Verantwortlichen bei der BBC sehen sich mit der Frage konfrontiert, wer in der renommierten Sendeanstalt von den Vorgängen gewusst hat. 2006, als Savile nach mehr als 40 Jahren die letzte reguläre Sendung seiner Reihe "Top of the Pops" moderiert hatte, waren Spekulationen bereits im Umlauf.

  • dpa, 11.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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