Der Start des schwedischen Internet-Dienstes Spotify setzt neue Akzente für das Geschäft mit digitaler Musik in Deutschland. Von Dienstag an ist das bereits in zwölf anderen Ländern verfügbare Angebot mit 16 Millionen Titeln für das sogenannte Streaming (Online-Direktübertragung) auch für deutsche Nutzer verfügbar.
Offene Lizenzfragen hatten den Start von Spotify in Deutschland bislang verzögert. Die Verwertungsgesellschaft Gema und der IT-Fachverband Bitkom schufen erst im Dezember vergangenen Jahres mit einer Gebührenordnung einheitliche lizenzrechtliche Grundlagen für Streaming-Dienste in Deutschland. Zudem musste Spotify mit den vier großen Plattenfirmen Universal, Sony, Warner und EMI sowie mit kleineren Labels Verträge aufsetzen.
Spotify hat nach eigenen Angaben mehr als drei Millionen zahlende Nutzer. Für die Plattenfirmen sei der Dienst bereits die zweitgrößte Einnahmequelle beim Geschäft mit digitaler Musik in Europa, sagte Firmengründer Daniel Ek der Deutschen Presse-Agentur dpa. Seit dem Start im Oktober 2008 habe Spotify der Musikindustrie rund 200 Mio. Euro an Lizenzgebühren überwiesen. Dies komme den Plattenfirmen ebenso zugute wie Komponisten und Künstlern.
Spotify ist von Risikokapitalgebern wie DST, Kleiner Perkins und Accel mit mehreren Hundert Millionen Dollar Kapital ausgestattet worden. Auch Napster-Mitgründer Sean Parker zählt zu den Investoren. Der Musikdienst wird in IT-Blogs immer wieder mal mit einem potenziellen Börsengang in Verbindung gebracht.
Spotify bietet in Deutschland drei Nutzungsmodelle an: Das Musikhören am stationären Computer mit Werbeeinblendungen ist kostenlos. Für monatlich 4,99 Euro lässt sich die Werbung ausblenden. Die volle Nutzung auch mit mobilen Geräten kostet 9,99 Euro im Monat. Dabei können Nutzer die Lieder in einer Playlist zwischenspeichern und auch unterwegs offline hören.
Zu den größten Spotify-Konkurrenten zählen Napster und Simfy. Napster sorgte Ende der 90er-Jahre als Musiktauschbörse für Furore, in der oftmals illegal MP3-Dateien über das Internet verteilt wurden. Mittlerweile hat sich Napster in einen Bezahldienst gewandelt und bietet 15 Millionen Songs auch in Deutschland an. Die Kosten liegen zwischen acht und 13 Euro pro Monat. Simfy wirbt ebenfalls mit rund 16 Millionen Songs im Repertoire.
Spotify hofft auf einen Wettbewerbsvorteil durch die tiefe Facebook-Integration: Facebook-Chef Mark Zuckerberg stellte auf der firmeneigenen Entwicklerkonferenz f8 im September 2011 die Neuerungen des weltgrößten sozialen Netzwerks vor - und holte dabei auch Spotify-Gründer Ek auf die Bühne. Facebook-Nutzer können nun sehen, welche Lieder ihre Freunde bei Spotify hören, diese anklicken und direkt mithören. Eine Anmeldung bei Spotify ist nur noch in Verbindung mit einem Konto beim sozialen Netzwerk möglich.
Mit dpa