Derzeit zählt Myspace mehr als drei Millionen Bands und Künstler zu seinen registrierten Nutzern. "Die Künstler sind einer der entscheidenden Faktoren für unseren Erfolg", sagte Amit Kapur, bei Myspace für die Geschäftsentwicklung zuständig. "Wir haben ihnen die Möglichkeit gegeben, bei ihren Fans für sich zu werben. Jetzt weiten wir das von Werbung auf Vertrieb aus", sagte Kapur.
Im Gegensatz zu iTunes will Myspace die Musiktitel aber direkt über die Internetseite der Künstler verkaufen, die sich bei dem Kontaktnetzwerk eingetragen haben. Ein Verkaufsportal werde nicht benötigt. Den Preis bestimmen die Künstler selbst, er dürfte aber unter den 99 Cent liegen, die bei Konkurrenten berechnet werden. Für den Musikverkauf kooperiert Myspace mit Snocap, einem Unternehmen des Napster-Gründers Shawn Fanning. Myspace und Snocap teilen sich die Gebühren mit dem Künstler, der den "Löwenanteil" bekommen soll, erklärte Kapur.
Branchenkenner und Analysten erwarten aber, dass Myspace nur wenige Songs etablierter Künstler im Programm haben wird. Eher würden Amateurkünstler und mäßig bekannte Gruppen angeboten, die ein größeres Publikum erreichen wollen. Ein Kopierschutz für die Stücke ist nicht vorgesehen - das macht das Angebot für größere Bands uninteressant. Myspace-Mitgründer Chris DeWolfe sagte, das Angebot sei der erste Schritt auf dem Weg, Myspace zu einem wichtigen Akteur im Onlinemusikgeschäft zu verwandeln.
"Der Großteil der Künstler ist unabhängig und ohne Vertrag", sagte Kapur. Das Myspace-Angebot werde "ihre erste große Plattform sein, durch die sie mit ihren Inhalten Geld verdienen können". Die Künstler selbst könnten ihre Songs zum Verkauf einreichen, allerdings will Snocap sicherstellen, dass es sich bei den Liedern nicht um vorsätzlich falsch ausgezeichnete Stücke bekannter Künstler handelt.