Der angeschlagene Internetpionier Yahoo kommt offenbar bei der Suche nach einem neuen Chef voran. In die engere Auswahl sei der ehemalige AOL -Chef Jonathan Miller gekommen, sagten zwei mit den Gesprächen vertraute Personen am Donnerstag. Miller, gegenwärtig Digitalchef beim Medienimperium News Corp , sei ein enger Freund des derzeitigen Yahoo-Übergangschefs Ross Levinsohn. Gespräche führe man auch mit Jason Kilar, dem Chef des Videoportals Hulu. Auch Levinsohn sei als Kandidat für die dauerhafte Besetzung noch im Rennen, hieß es weiter. Miller, Kilar und Levinsohn waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Ein Yahoo-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.
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Yahoo musste im Mai den dritten Chefwechsel binnen drei Jahren verkraften. Nach nur vier Monaten an der Spitze des Internetkonzerns stolperte Hoffnungsträger Scott Thompson im Mai über eine gefälschte Biographie. Yahoo-Großaktionär Daniel Loeb hatte im offiziellen Lebenslauf von Thompson einen Bachelor-Abschluss in Computerwissenschaften entdeckt, der dort nicht hinein gehörte. Denn Thompson hat lediglich einen Abschluss in Buchhaltung. Für Loeb war diese Entdeckung der Hebel, um den Firmenchef zu stürzen, der seinen eigenen Machtplänen im Weg stand.
Loeb hält über seinen Hedgefonds Third Point 5,8 Prozent an Yahoo und fordert schon lange, dass er in das oberste Konzerngremium einziehen kann, in den Verwaltungsrat. Nach dem Sturz Thompsons wird Loeb nun insgesamt drei Sitze in dem Gremium bekommen, einen davon besetzt er selbst, die beiden anderen bekleiden Vertraute.
Es ist schon der zweite unrühmliche Abgang eines Yahoo-Chefs binnen kurzer Zeit. Thompson war erst zu Jahresbeginn angetreten. Seine Vorgängerin Carol Bartz war gefeuert worden, weil sie es nicht geschafft hatte, den Umsatzschwund des Unternehmens zu stoppen. Nach ihrem Abgang war Yahoo monatelang führungslos.