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Merken   Drucken   20.06.2011, 13:28 Schriftgröße: AAA

Neue Domains: Nach .com kommt .apple oder .berlin

Vor dem Punkt hießen Homepages schon immer, wie sie wollten. Nach dem Punkt stand meist com, org oder eine regionale Endung wie de. Ab 2012 ist auch auf dieser Seite des Domainnamens fast alles erlaubt. Viele Unternehmen dürften jedoch an den Kosten scheitern. von Björn Maatz  Hamburg und Daniela Leistikow, Hamburg
Das Internet bekommt mehr Platz für neue Adressen: Unternehmen, Regierungen und Verwaltungen können für ihre Internetauftritte künftig eine Vielzahl neuer Adressbereiche nutzen. Die Internetverwaltung Icann hat dafür nach sechs Jahren Beratung endgültig den Weg frei gemacht. Unternehmen oder Städte können damit schon bald ihre eigene Adressendung wie etwa .berlin oder .reise nutzen. Das sei eine "historische Veränderung des Internet", teilte die Icann am Montag in Singapur mit.
Bislang existieren nur 22 der sogenannten generischen Top Level Domains wie .com, .info, .org und seit Neuestem auch .xxx für pornografische Inhalte. Dazu kommen mehr als 250 Länderendungen wie .de für Deutschland und .cn für China. Nun könnten Hunderte neue Domainnamen entstehen - die größte Veränderung seit dem Start des Web-Adressverzeichnisses mit .com vor 26 Jahren.
"Die heutige Entscheidung läutet ein neues Internet-Zeitalter ein", sagte Peter Dengate Thrush vom Icann-Verwaltungsrat. "Wir bieten eine Plattform an für die nächste Generation an Kreativität und Inspiration."
Produkte wie Apples Tablet-Rechner könnten bald direkt per ...   Produkte wie Apples Tablet-Rechner könnten bald direkt per .iPad-Domain gefunden werden
Die Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) hat bereits seit Jahren daran gearbeitet, mit neuen generischen Top Level Domains mehr Raum im Internet zu schaffen. "Wir haben gut sechs Jahre auf diesen Punkt hingearbeitet und sind froh, dass wir uns nun endlich für .berlin bewerben können", sagte Dirk Krischenowski, Gründer und Geschäftsführer von dotBerlin. Branchenbeobachtern zufolgen dürften vor allem Unternehmen an Endungen wie .toyota, .apple und .coke interessiert sein, um ihre Marke im Internet besser zu schützen. Eine Endung wie .iPad könnte Websurfer direkt zu dem Produkt auf den Seiten des Apple -Konzerns führen.
Canon  hat bereits im Vorfeld Interesse an .canon bekundet. Dafür müsste der japanische Elektronikkonzern wie jeder andere Bewerber auch 185.000 Dollar bezahlen. Auch zahlungskräftige Mittelständler könnten an Domainnamen wie bicycles.london und indian.food interessiert sein. Die Icann hat die Einstiegshürde mit der üppigen Gebühr hoch gesetzt, um Missbrauch vorzubeugen. Interessenten müssen zudem nachweisen, dass sie technisch in der Lage sind, eine Top Level Domain zu verwalten.
Privatpersonen sind von dem Bewerbungsverfahren bisher ausgeschlossen. Eine Registrierung auch für private Nutzer könnte bereits Anfang 2013 möglich werden, schätzt Oliver Süme vom Verband der deutschen Internetwirtschaft eco.
Deswegen könnten die neuen Domainendungen auch zur Sicherheit im Netz beitragen. Jeder darf eine Website registrieren, die auf .de und .com endet. Aber um eine der neuen Top Level Domains zu erhalten, muss eine sechstellige Summe gezahlt und ein langwieriger Bewerbungsprozess bei der Icann durchlaufen werden. So könnten etwa Banken den Besuchern ihrer Website mitteilen, dass nur eine Seite mit der Endung .jpmorgan oder .wellsfargo legitim ist. Verwirrend ähnliche Domainnamen will die Icann durch das Bewerbungsverfahren ausschließen.
In einem Factsheet weißt die Icann zudem darauf hin, dass sich nur etablierte öffentliche oder private Organisationen für die Domains bewerben dürfen. Icann-Präsident Rod Beckstrom erwartet etwa 120 Bewerbungen für eine neue Top Level Domain.
Neue Domains könnten auch nach Themen kategorisiert werden, wie etwa Industrie, Geografie oder Volkszugehörigkeit, hieß es. Außerdem sollen auch chinesische und arabische Zeichen verwendet werden können. Die Icann votierte mit 13 zu einer Stimme bei zwei Enthaltungen für die neuen Endungen.
Eine erste Bewerberrunde ist von Januar bis April 2012 geplant. Die ersten Ergebnisse sollen im November kommenden Jahres vorliegen.
Mit dpa
  • FTD.de, 20.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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