Der Börsenstar Linkedin ist groß geworden, indem er das Geschäftliche vom Privaten trennte. Über das führende Karrierenetzwerk werkeln mehr als 150 Millionen Nutzer weltweit am beruflichen Aufstieg. Privat tobt man sich - mehr oder minder öffentlich - bei Facebook aus.
Startups wie Branchout wollen diese beiden Welten vermischen. Das knapp zwei Jahre alte Unternehmen aus San Francisco hat ein Karrierenetzwerk als Facebook-Anwendung aufgezogen - und diese wächst rasant. Es zählt heute bereits 25 Millionen registrierte Nutzer. Sie suchen mit der App bei ihren Facebook-Freunden und deren Bekanntenkreis nach einem Job. "Linkedin ist für Leute, die mehr als 100.000 Dollar im Jahr verdienen - die sprechen wir auch an, aber wir sind auf Otto Normalverbraucher wie neue College-Absolventen, Kassierer, Armeeangehörige oder Zeitarbeiter fokussiert", sagt Branchout-Chef Rick Marini im FTD-Gespräch. "Wir bieten der Facebook-Generation ein professionelles Profil."
Facebook hat auf das Privatleben ausgerichtete Netzwerke wie Myspace oder Bebo längst ausgebootet. Das weltgrößte soziale Netzwerk ist nicht nur Spielwiese für mitteilsame Anwender. Mit der Facebook-Plattform, für die es bereits neun Millionen Anwendungen von Firmen wie Zygna oder Microsoft gibt, breitet sich Facebook weiter aus. Apps wie Branchout sorgen für den professionellen Anstrich. "Facebook hat die Plattform aufgebaut, damit Unternehmen wie unseres Milliardenbranchen durcheinanderwirbeln können", sagt Marini. Der 40-jährige Branchout-Gründer hat dazu 49 Mio. Dollar von Investoren wie Accel Partners und Napster-Gründer Shawn Fanning bekommen.
Das soziale Netzwerk - das laut der für gewöhnlich gut informierten Nachrichtenwebsite AllthingsD.com schon nächste Woche mit der Roadshow für den anstehenden Börsengang beginnen könnte - hat über 900 Millionen Nutzer. Marini sieht daher keinerlei Bedarf, sich von Facebook zu emanzipieren: "Wir legen alle Eier in einen Korb - aber Facebook ist ein gigantischer Korb." Charlene Li vom Beratungsunternehmen Altimeter Group sieht viel Potenzial für Branchout, aber auch Grenzen: "An gewisse Berufskategorien wird Branchout nicht herankommen, weil etwa Manager das Berufliche strikt vom Privaten - also Facebook - trennen wollen."
Dennoch wuchs Branchout zuletzt rasant. Im Dezember kam es auf 400.000 Nutzer, die mindestens einmal im Monat aktiv sind. Im April waren es schon 12,2 Millionen. "Das liegt vor allem an unserer mobilen App, die wir im Herbst eingeführt haben", sagt der Harvard-Absolvent Marini. "Zudem wachsen wir international sehr schnell, vor allem in Brasilien und Indien, wo wenige Linkedin, aber jedermann Facebook nutzt."
Trotzdem macht Branchout bisher keinerlei Umsatz. Mit rund 100 Testkunden wie VMware, Salesforce.com oder Pfizer erprobt das 45 Mann starke Startup daher ein neues Geschäftsmodell: Firmen sollen bald für Stellenausschreibungen sowie den Rekrutierungsdienst RecruiterConnect bezahlen, mit dem sie ihre Personalsuche auf Facebook ausweiten können.
Marini glaubt, in puncto Nutzerzahlen bald an Linkedin vorbeiziehen zu können. Hinsichtlich des Umsatzes ist er bescheidener: "Davon sind wir noch meilenweit entfernt." Linkedin legt morgen nach US-Börsenschluss Zahlen für das erste Quartal vor. Das profitable Netzwerk erwirtschaftete im jüngsten Geschäftsjahr 522 Mio. Dollar Umsatz. Auch Marini treibt es an die Börse, aber frühestens in drei Jahren. Möglich, dass Branchout vorher verkauft wird. "Wir haben mehrere Angebote bekommen, aber wir wollen an die Börse", beteuert Marini. Im Silicon Valley wird gemunkelt, dass auch Facebook oder Linkedin angeklopft haben. Aber das verrät Marini nicht.