Der Kampf gegen die EU-Bürokratie lastet Bayerns ehemaligen Ministerpräsidenten offenbar nicht aus. Der Münchner Sender Pro Sieben Sat 1 ist sehr froh darüber - und holt Edmund Stoiber in seinen Beirat.
Edmund Stoiber heuert als Cheflobbyist bei Pro Sieben Sat 1 an. Als Vorsitzender des neu gegründeten Beirats werde der ehemalige bayerische Ministerpräsident und ZDF-Fernsehrat ab sofort den privaten Fernsehkonzern in "gesellschafts- und medienpolitischen Fragen beraten und unterstützen", sagte Vorstandschef Thomas Ebeling am Freitag auf der der Hauptversammlung in München.
Stoiber sagte in Hinblick auf seine medienpolitischen Überzeugungen habe er gern zugesagt. "Ziel meiner Medienpolitik war stets ein starkes duales System aus privatem und öffentlich-rechtlichen Rundfunk."
"Es freut mich ganz außerordentlich, dass ich Edmund Stoiber gewinnen konnte, den Vorsitz dieses Gremiums zu übernehmen, das er in den kommenden Monaten aufbauen wird", sagte Ebeling. Stoiber habe wie kaum ein anderer den Medienstandort Deutschland geprägt, der Sender werde von Stoibers "Expertise und seiner langjährigen Erfahrung mit Medienfragen profitieren".
Auf der Hauptversammlung des Senders warf Ebeling ARD und ZDF einen unfairen Wettbewerb vor. Das "muss aufhören", forderte er und beklagte: "Warum sichert sich das ZDF die Champions-League-Rechte mit einem für unsere Verhältnisse nicht finanzierbaren Angebot?" Der Auftrag zur Grundversorgung dürfe nicht "in ein Unterhaltungs- und Sportmonopol umgedeutet und dann mit einem offenbar unbegrenzten Gebührenbudget zementiert werden", sagte der Pro Sieben Sat 1-Chef.
In seiner Amtszeit hatte sich Stoiber für die öffentlich-rechtlichen Sender stark gemacht. Nach seiner Amtszeit in Bayern, die 2007 nach 14 Jahren endete, ging er als EU-Berater für Bürokratieabbau nach Brüssel.
Ebeling kündigte den Aktionären einen Rekordgewinn an. Das zweite Quartal sei etwas besser ausgefallen als erwartet, und der Jahresumsatz dürfte im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen, sagte der Vorstandsvorsitzende. Die ausländischen Sender
und das Internet- und Videogeschäft legten kräftig zu, das
deutschsprachigen TV-Geschäft dagegen nur leicht.
Nach langer Durststrecke hatte Pro Sieben Sat 1 im vergangenen Jahr 3 Mrd. Euro Umsatz und 313 Mio. Euro Gewinn erzielt. Größte Aktionäre sind die Finanzinvestoren KKR und Permira, die 88 Prozent der Stimmrechte halten. Fragen von Aktionärsschützern, ob sie einen Ausstieg planen, beantworteten sie auf der Hauptversammlung nicht.
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