Mit diesem Schritt würde CNN Anbieter wie Associated Press (AP), Bloomberg oder Thomson Reuters angreifen. Die geplante Expansion erfolgt in einer Zeit, in der viele Medienkonzerne schwächeln. Vor allem Printverlage leiden darunter, dass die Werbekunden ihre Marketingbudgets - wegen der sich eintrübenden Konjunktur - gekürzt oder gestrichen haben. Weltweit haben Verlage Sparprogramme aufgelegt: Die Printmanager streichen Stellen, stellen Titel ein - und hinterfragen auch die Notwendigkeit von kostenpflichtigen Nachrichtendiensten. In Deutschland hatten zuletzt die WAZ-Mediengruppe und der Verleger Dirk Ippen ("Münchner Merkur") überlegt, die Deutsche Presse-Agentur abzubestellen.
Wie umfangreich der CNN-Dienst ausfallen könnte, ist offen. Seit wenigen Wochen beliefert der Sender testweise eine Reihe von US-Zeitungen. Zudem hat Jim Walton, Chef von CNN Worldwide, bis einschließlich Mittwoch rund 30 Chefredakteure an den Konzernsitz nach Atlanta eingeladen, um auszuloten, wie groß die Nachfrage ist, berichtet die US-Zeitung "New York Times". Vermutlich würde der CNN-Dienst schlichter und billiger ausfallen als der der Konkurrenz: Nach Unternehmensangaben würde der Sender zwar Bewegtbilder, aber keine Fotos anbieten.
CNN will alles selbst produzieren
Mit diesem Schritt treibt CNN die Strategie voran, möglichst alle Inhalte selbst zu produzieren, um diese dann über viele verschiedene Kanäle weitervertreiben zu können. CNN beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit mehr als 4000 Journalisten, die nicht nur für den TV-Sender, sondern auch für die Website CNN.com Artikel, Filme oder Audiobeiträge erstellen. "Dann haben wir auch keine Probleme mit den Verwertungsrechten", erklärte Tony Maddox, Managing Director von CNN International, diese Idee kürzlich in einem FTD-Interview.
Detaillierte Geschäftszahlen für CNN weist der US-Mutterkonzern Time Warner nicht aus. Die Kabelfernsehsparte, zu der unter anderem der Sender HBO gehört, konnte den operativen Gewinn im abgelaufenen Geschäftsquartal um 21 Prozent auf 909 Mio. $ steigern. Der Umsatz stieg um sieben Prozent auf rund 2,7 Mrd. $.