Die großen Medienkonzerne reagieren mit einer Abkehr vom Printgeschäft auf schwache Ergebnisse ihrer Zeitungen. Axel Springer hat zwischen Juli und September erstmals in seiner Geschichte mehr Umsatz im Onlinegeschäft gemacht als mit seinen gedruckten deutschen Zeitungen wie "Bild" und "Die Welt". Das geht aus am Mittwoch veröffentlichten Quartalszahlen hervor. Weil die Zeitungen im Vergleich zum Vorjahresquartal sieben Prozent Umsatz und 20 Prozent beim operativen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) einbüßten, sanken Umsatz und Gewinn des Konzerns leicht. Grund für die Einbußen sei ein starker Rückgang im Printwerbemarkt, sagte Springer-Chef Mathias Döpfner in einer Telefonkonferenz. Auch der US-Konzern News Corporation meldete am Mittwoch wegen eines schwachen Printgeschäfts einen leichten Gewinnrückgang. Das Ergebnis der Verlagssparte hatte sich hier zum Vorjahresquartal von 110 Mio. auf 57 Mio. Dollar fast halbiert.
News Corp. will in den nächsten Monaten das Verlagsgeschäft vom übrigen Konzern trennen, um das wachstumsstarke TV- und Filmgeschäft attraktiver für Investoren zu machen. Das einstige Kerngeschäft des Konzerns wird damit zur Randaktivität. Ähnlich bei Pearson: Das britische Medienhaus sucht laut Nachrichtenagentur Bloomberg einen Käufer für die Zeitung Financial Times, mit der die FTD über ein Lizenzabkommen verbunden ist. Und der norwegische Medienkonzern Schibsted, der eine ähnlich aggressive Digitalisierungsstrategie wie Axel Springer verfolgt, kündigte am Mittwoch zusätzlich zu wachsenden Digitalumsätzen ein 500 Mio. Kronen (68 Mio. Euro) schweres Sparprogramm für seine Zeitungen wie "Aftonbladet" an.
Springer-Chef Döpfner bezeichnete bei der Telefonkonferenz die Wahrscheinlichkeit für größere Zukäufe im Printgeschäft in Zukunft als "eher gering". Seine Strategie für Printtitel: "Wir müssen die Strukturen an das veränderte Nutzungsverhalten anpassen und noch schneller und effizienter werden", so Döpfner. Erst vor zwei Wochen hatte Springer die Zusammenlegung seiner Zeitungen "Hamburger Abendblatt" und "Die Welt" zu einer Redaktionsgemeinschaft angekündigt. Die bislang weitgehend eigenständige "Abendblatt"-Redaktion liefert künftig nur noch lokale Inhalte für Hamburg. Die überregionale Berichterstattung des Blatts wird aus derselben Redaktion bestückt wie "Die Welt" und das Springer-Lokalblatt "Berliner Morgenpost".
"Das kostet journalistische Arbeitsplätze und schadet der Medienvielfalt", warnte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Michael Konken. "Wir werden keine Abstriche bei der inhaltlichen Qualität machen", meint Döpfner. "Die Marken behalten ihr klares Profil, alle Beteiligten profitieren." Gedruckte Zeitungen sollen laut Döpfners Strategie auf Dauer ein Teil des Geschäfts von Axel Springer bleiben. "Wir sind nach wie vor überzeugt, dass Print uns noch lange Freude machen wird", erklärte Döpfner am Mittwoch.
Der Münchner Burda-Konzern treibt den Wandel zum Onlinekonzern noch aggressiver voran. Derzeit macht der Verlag nur noch "25 bis 30 Prozent" seines Umsatzes in Deutschland mit gedruckten Zeitschriften, sagte Verleger Hubert Burda in der diesen Donnerstag erscheinenden Ausgabe der "Zeit". Bislang betrug der Umsatzanteil der Zeitschriften bei Burda stets über 30 Prozent.
Bei Springer erwirtschaften die Zeitungen durch den von Döpfner bereits seit seinem Amtsantritt vor zehn Jahren eingeschlagenen Sparkurs stabile Renditen jenseits der 20 Prozent. Im Vergleich zu den ersten neun Monaten des Jahres 2008 hat die Zeitungssparte von Axel Springer bis 2012 aber über 100 Mio. Euro Umsatz eingebüßt.
Online investiert Springer vor allem in lukrative Anzeigenportale, zuletzt zusammen mit dem Co-Investor General Atlantic 127,5 Mio. Dollar für die Mehrheit am belgischen Immobilienportal Immoweb.be. Nun sollen auch die redaktionellen Inhalte der Zeitungen verstärkt zur Onlineerlösquelle werden. Bis Jahresende wird die Website der "Welt" kostenpflichtig. Man habe keine Angst, dadurch Anzeigenumsatz zu verlieren, sagte Döpfner. Auch im Print liege der Anzeigenpreis in Bezahlzeitungen über dem von kostenlosen Anzeigenblättern. "Wir sind überzeugt, dass sich dasselbe auch bei bezahlten Onlineinhalten durchsetzen wird", so Döpfner.
Im laufenden Jahr macht Springer laut Döpfner einen zweistelligen Millionenumsatz mit Bezahlangeboten wie iPad-Apps. Mit Onlinewerbung erlöste der Konzern bislang 692 Mio. Euro.