Himmelwärts blickt er seit Neuestem, der kleine, blaue Twitter-Vogel. So begrüßt das Wappentier des Kurznachrichtendienstes in dieser Woche die Teilnehmer des Werbefestivals Cannes Lions, ein riesiges Plakat hängt über dem Palais de Festivals der südfranzösischen Hafenstadt. Aus gutem Grund: Twitter erhofft sich von der Veranstaltung einen Auftrieb für das eigene Werbegeschäft.
Cannes Lions ist das wichtigste Event der Werbebranche. Mittlerweile wird es von IT-Unternehmen beherrscht: Genauso wie sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg hier vor zwei Jahren der Marketingwelt präsentierte, wird 2012 Twitter ins Rampenlicht rücken. Twitter-Mitgründer Jack Dorsey soll in dieser Woche als "Medienmann des Jahres" ausgezeichnet werden wie zuvor bereits Zuckerberg, Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt und Microsoft-Chef Steve Ballmer. Zudem wird Twitter-Gründer Dick Costolo am Mittwoch die erste Festrede des Unternehmens im Palais de Festivals halten - 2011 gab es noch zwanglose Zusammenkünfte in einer Strandbar.
Das US-Unternehmen forciert nicht nur in Cannes seine Pläne für die Expansion nach Kontinentaleuropa und Lateinamerika. Im Februar warb Twitter Shailesh Rao vom Internetkonzern Google ab, der den internationalen Vertrieb Twitters leiten soll. "An der allgemeinen Herangehensweise Twitters gefällt mir, dass wir auf Nummer sicher gehen", sagte Rao. Das Unternehmen behalte auch bei der Werbung immer die Nutzer im Blick. Rao will damit Sorgen ausräumen, Anwender könnten durch Werbenachrichten vergrault werden.
Seit der Gründung im Mai 2010 arbeiten im Londoner Twitter-Büro mittlerweile 35 Mitarbeiter, in diesem Zeitraum haben sie 140 Werbekunden gewonnen. Zusätzlich zu den Büros in Tokio und Dublin will der Dienst nun erste Angestellte in Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und den Niederlanden anheuern.
Auch Lateinamerika gilt Twitters besonderes Augenmerk, der Kurznachrichtendienst erfreut sich in der Region großer Beliebtheit. Gleichzeitig bieten sich mit der Fußball-WM 2014 und den Olympischen Spielen 2016 aus kommerzieller Sicht gute Wachstumsmöglichkeiten. Twitter plant die Eröffnung einer Niederlassung in Brasilien und will bis Ende des Jahres gemeinsam mit der Agentur IMS Anzeigenprodukte in ganz Lateinamerika an den Start bringen.
Eine weitere Chance sieht der Dienst darin, dass einige werbende Unternehmen wie General Motors mit ihren Kampagnen beim sozialen Netzwerk Facebook unzufrieden seien. "Im Gegensatz zu einem traditionellen sozialen Netzwerk, bei dem es um Familie und Freunde geht", sagte Wang, "ging es bei Twitter von Anfang an um Interessen und Informationen."
Quelle: The Financial Times