Unser Kolumnist spießt Absurdes und Skurriles aus dem Alltag auf.
Ich habe gelesen, dass Facebook-Einträge fast so befriedigend sein sollen wie Sex. Das hat die Wissenschaftlerin Diana Tamir in einer Fachzeitschrift geschrieben. Durch Facebook-Veröffentlichungen werden nämlich dieselben Gehirnregionen angeregt, wie beim Essen oder beim Geschlechtsverkehr. Das interessante dabei sei, dass der Befriedigungseffekt nicht erst eintrete, wenn man ganz viele "Gefällt mir"-Meldungen bekommt, sondern schon, wenn man seinen eigenen Eintrag im Netz sieht.
Auf das Sexualleben übertragen ist man auf Facebook also schon fertig, bevor der andere überhaupt verstanden hat, dass es losgeht. Facebook ist also gewissermaßen Sex, für den man nur sich selbst braucht. Ich finde Facebook in dieser Hinsicht eine vernünftige Sache. Man mag sich selbst am liebsten. Die meisten Probleme beim Sex entstehen ohnehin dadurch, dass man ihn mit anderen Menschen zusammen machen muss. Die sind entweder nicht da, oder sie haben gerade etwas anderes vor oder sind sonstwie anderer Meinung oder nicht interessiert.
Sich selbst aber versteht man am besten, mit sich selbst kommt man meistens prima zurecht und will immer das Gleiche. Und wenn die Selbstbefriedigung gewissermaßen nun per Social Media zu bewerkstelligen ist, nenne ich das mal einen echten technischen Fortschritt. Ich habe mir mal das Postingverhalten von deutschen Spitzenpolitikern im Hinblick darauf angeschaut. Angela Merkel: ein Posting im Juli. Horst Seehofer: fünf Postings im Juli. Philipp Rösler: sechs Postings im Juli. Hannelore Kraft: 15 Postings im Juli. Ich finde, die Dame sollte sich langsam mal wieder um Politik kümmern.