Unser Kolumnist spießt Absurdes und Skurriles aus dem Alltag auf.
Wenn sie ins Stadion kommen, sind sie schon betrunkener, als ich es je im Leben war. Sie brüllen und sind unflätig. Sie zünden Bengalos und werfen damit. Beim letzten Spiel, das ich gesehen habe, kletterten Fans über Absperrungen und rissen ein Tor aus der Verankerung, dabei grölten sie "Scheiß De-Ef-Be-he!". Als ich bei einem Bekannten klagte, dass die Fans immer schlimmer würden, sagte er mir, ich solle mich nicht so anstellen.
Früher sei es in Stadien so brutal zugegangen, dass ein Yuppie wie ich sich gar nicht hineingetraut hätte. "Ich bin kein Yuppie!", verteidigte ich mich - aber mein Bekannter hatte ja recht. Wahrscheinlich hat sich nicht die Brutalität geändert. Neu ist, dass blasse Bubis wie ich ins Stadion gehen, dabei nicht einmal betrunken sind und trotzdem so tun, als gehörte das Spiel ihnen. Fußball war einmal die letzte Zuflucht, wo Männer sich wie Tiere verhalten und auch so riechen durften.
Und nun sollen Fans so sein, dass man sie in der Coca-Cola-Werbung zeigen kann. Vielleicht sollte es auf den Rängen weniger wohlerzogene Typen wie mich geben. Ich werde das Stadion den wilden Kerlen überlassen. Was mir umso leichter fällt, weil die Hertha es nicht einmal geschafft hat, die Klasse zu halten. Die Eintracht dagegen spielt in Liga eins und muss nicht nach Berlin. Und überhaupt: Scheiß De-Ef-Be-he.