Adidas will künftig keine Händler mehr beliefern, die Produkte des Konzerns auf offenen Handelsplattformen wie Amazon oder Ebay anbieten. Offiziell begründet Europas größter Sportartikelhersteller den Schritt mit Maßnahmen zur angemessenen Produktpräsentation, die dort nicht gewährleistet sei. Der spätestens ab Januar 2013 gültige Verkaufsstopp für Marken wie Adidas oder Reebok durch Händler auf solchen Plattformen sei juristisch gedeckt, heißt es.
Handelsexperten vermuten, dass hinter den neuen E-Commerce-Bedingungen vor allem die Angst vor Preisabschlägen steht. Dies könnte das angestrebte Markenimage und höhere Preisniveau in den eigenen Geschäften und im Fachhandel untergraben. Adidas versucht gezielt, sein Image zu stärken, um höhere Preise durchsetzen zu können.
Zunächst sei die Umsetzung der neuen Internet-Vertriebsstrategie bei offenen Plattformen europaweit geplant, sagte eine Adidas-Sprecherin am Mittwoch auf Anfrage. Sie bestätigte damit eine Meldung des Branchendienstes "Markt intern". Im zweiten Schritt sei eine weltweite Umsetzung anvisiert.
Der geplante Lieferstopp an Händler, die ihre Ware über offene Plattformen vertreiben, ist der bislang spektakulärste Schritt eines Konzerns bei dem seit Jahren umstrittenen Thema, das auch Wettbewerbshüter beschäftigt. So gibt es bereits Verfahren, in denen über den Internet-Vertrieb hochwertiger Schulranzen, Kosmetika oder Sportartikel verhandelt wird. Adidas sieht sich durch Urteile beim Oberlandesgericht München vom Juli 2009 sowie einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom Oktober 2011 bestätigt.
Der Rechtsanwalt und Internet-Experte Martin Schirmbacher von der Berliner Kanzlei Härting bestätigte am Mittwoch auf Anfrage, dass Liefereinschränkungen rechtlich unter bestimmten Voraussetzungen möglich sind. "Neben der Sicherung von Qualitätsstandards dürfte es auch im Interesse des Markenimages der Firmen liegen, nicht auf Plattformen mit Niedrigpreisen zu erscheinen", sagt der Experte.
Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber sagte der FTD: "Wir wissen, dass Kunden Adidas-Produkte auf Amazon.de kaufen wollen, und Verkäufer auf unserer Plattform - zahlreiche kleine und mittelständische Spezialanbieter - diese Produkte bereitstellen können." Amazon arbeite "gern mit Adidas und Reebok, um auch weiterhin sicherzustellen, dass ihre Produkte in einem optimalen Umfeld präsentiert werden können".
Adidas sieht die selektive Internetstrategie als Fortsetzung des Rückzugs aus dem Einzelhandel und den Läden von Lebensmitteldiscountern, deren Warenangebot nicht mehr zur Marke gepasst habe. Gleichzeitig forciert der Konzern seinen eigenen weltweiten Online-Vertrieb. 2011 sei der Umsatz über den Internet-Shop um 64 Prozent gestiegen, heißt es im Geschäftsbericht. Absolute Zahlen werden nicht genannt. Daneben bauen auch die großen Fachhandelsgruppen, wie Intersport oder Sport 2000, ihren Internet-Vertrieb aus.
Bei Puma hieß auf Anfrage, dass es eine restriktive Regelung für offene Plattformen nicht gebe und eine solche auch nicht geplant sei. Bei Nike war kurzfristig keine Stellungnahme zu erhalten.