Das Vertrauen des Investors Kinneviks in die Zukunft Zalandos beschert dem Onlineschuhhändler die bislang höchste Unternehmensbewertung eines deutschen Internet-Startups - zumindestens auf dem Papier. Die schwedische Gesellschaft hat für 287 Mio. Euro weitere zehn Prozent an Zalando erworben. "Kinnevik hat 2009 das erste Mal in Zalando investiert und wir konnten seitdem den rasanten Erfolg des Unternehmens verfolgen", sagte Mia Brunell Livors, Vorstandschefin von Kinnevik über das erneute Engagement.
Die Schweden übernahmen Anteile der Investoren Holtzbrinck Ventures, Tengelmann Ventures und Rocket Internet. Zuletzt genannter ist ein Unternehmen der Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer. Sie gelten als Deutschlands erfolgreichste Internetunternehmer und halten mit 44 Prozent die Mehrheit an Zalando. Kinnevik ist nun mit 26 Prozent der zweitgrößte Investor.
Mit Zalando ist den Samwers ein Coup gelungen. Es könnte das erste Startup sein, dass die Drei an die Börse bringen. Keine andere deutsche Webfirma in Deutschland hat bislang so viel Risikokapital erhalten wie Zalando. Erst in diesem Jahr beteiligte sich der russische Investor Digital Sky Technologies (DST) mit einer bislang unbekannten Summe an Zalando und erwarb neun Prozent. DST engagiert sich in der Regel nur bei Unternehmen mit Börsenabsicht. Zu den bekanntesten Investments von DST zählen etwa Facebook und Twitter. Im August hatte Zalando eine Kapitalerhöhung abgeschlossen und JP Morgan Asset Management und Quadrant Capital Advisors 1,3 Prozent der Anteile beziehungsweise 0,9 Prozent verkauft.
Zalando ist derzeit auf Expansionskurs. Mittlerweile ist das Unternehmen in 14 Ländern aktiv, darunter neben Deutschland unter anderem auch in Frankreich, Großbritannien und Spanien. Kinnevik wolle einen aktiven Part bei der Weiterentwicklung Zalandos zu einem der erfolgreichsten Online-Handlesunternehmen Europas leisten, sagte Brunell Livors. Die Managerin sitzt unter anderem im Aufsichtsrat der schwedischen Modekette Hennitz & Mauritz.
Kinnevik existiert seit 1936 und investiert hauptsächlich in kleine bis mittelgroße Firmen mit starkem Wachstumspotenzial. Die Schweden arbeiten bereits seit Jahren mit den Samwers zusammen. Sie sind auch am Inkubator Rocket Internet beteiligt, die Geburtsstätte Zalandos. Allein im ersten Halbjahr hatte Kinnevik mehr als umgerechnet 439,68 Mio. Euro in Rocket Internet und deren Beteiligungen investiert. Den Buchwert der Beteiligungen an Rocket Internet und den Portfolio-Unternehmen veranschlagte Kinnevik bereits Ende Juni im Quartalsbericht bei umgerechnet 1,02 Mrd. Euro.
Ob die Wette Kinneviks auf Zalando aufgehen wird, ist allerdings noch unklar. In diesem Jahr will das Unternehmen erstmals mehr als 1 Mrd. Euro Umsatz machen, nach 510 Mio. Euro im Jahr 2011 und 159 Mio. Euro 2010. Bislang wirtschaftete Zalando allerdings nicht profitabel. 2010 stand unterm Strich ein Verlust von 20,4 Mio. Euro. 2011 schrieb das Unternehmen eigenen Angaben zufolge auch keinen Gewinn. Genaue Zahlen sind noch nicht bekannt. Für das laufende Geschäftsjahr wollte der Onlinehändler keine Prognose zum Gewinn abgeben.