Der weltgrößte Onlinehändler startet mit Javari in Deutschland ein eigenes Portal für Schuhmode - ein lukrativer Milliardenmarkt.
von Ulf BrychcyHamburg
Mit einem eigenen Markenshop versucht Amazon, seine Position im florierenden deutschen Online-Schuhversand zu verteidigen. Am Dienstag stellte der weltgrößte Onlinehändler Javari ins Netz und reagierte damit vor allem auf den Berliner Konkurrenten Zalando: Der ist innerhalb von nur zweieinhalb Jahren zum hiesigen Marktführer im Internet-Schuhhandel aufgestiegen.
Das Onlinekaufhaus Amazon lanciert mit Javari zum ersten Mal seit seinem deutschen Start im Jahr 1998 hierzulande eine eigenständige Website. "Die müssen gegen Zalando vorgehen, hier wird hart gekämpft", sagte ein Branchenexperte. Der Markt gilt als lukrativ: Der klassische Schuhfachhandel hat 2010 rund 7,9 Mrd. Euro umgesetzt. Zwischen acht und zehn Prozent davon entfallen auf Versender und das Internetgeschäft - mit deutlich steigender Tendenz.
Entsprechend forsch untermauert Amazon seine Ambitionen bei Modeprodukten. "Wir sind der weltweit größte Schuhhändler im Netz", sagte Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber. Einerseits verkauft der US-Konzern etwa in Deutschland schon seit 2007 über seine Homepage Schuhe; andererseits hatte Amazon vor zwei Jahren mit Zappos für gut 1 Mrd. Dollar den führenden Internet-Schuhversand in Nordamerika gekauft. Das strategische Interesse, diese Sparte auszubauen, ist demnach hoch. Umsatz- und Ertragszahlen für den Bereich nennt Amazon jedoch nicht. In den USA hat der Konzern zudem mit Myhabit.com ein mitgliederbasiertes Luxusmodeportal gestartet, das vor allem mit Preisnachlässen lockt.
Mit Javari will der Konzern außerhalb der USA gezielt schuhbegeisterte Kunden und hier insbesondere Frauen ansprechen. Die große Amazon-Plattform gilt bei der Schuh- und Taschenmode offenkundig nicht mehr als ausbaufähig genug. Außerdem expandiert Amazon mit Javari auch international. So startete der Schuh-Webshop im Oktober 2010 in Frankreich und ist bereits in Großbritannien und in Japan vertreten. "Vielleicht bringen wir in Deutschland als zweite Marke irgendwann auch noch Zappos", so Kleber.
Auch diese Aussage dürfte gegen Zalando gerichtet sein. Die deutsche Firma ist sprunghaft gewachsen und kam laut Branchenschätzungen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 50 bis 70 Mio. Euro. Zum Vergleich: Der Schuhfilialist Görtz hat nach eigenen Angaben bei einem Gesamtumsatz von 415 Mio. Euro rund 42 Mio. Euro über Onlinebestellungen erlöst. "Zalando hat den deutschen Online-Schuhhandelsmarkt in den Fokus der Branche gerückt", sagte Christian Hackel, Manager beim Schuhhändler Deichmann.
Die Zalando-Investoren, zu denen mehrheitlich die drei Samwer-Brüder, aber auch Tengelmann und der Holtzbrinck-Verlag gehören, nehmen für ihren Expansionskurs hohe Anlaufverluste in zweistelliger Millionenhöhe in Kauf. Die Offensive von Amazon dürfte Zalando nun vor eine zusätzliche Belastungsprobe stellen.
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