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Merken   Drucken   18.01.2012, 09:15 Schriftgröße: AAA

Onlinepiraterie: Krieg der Welten

Leitartikel Die großen Internetkonzerne gerieren sich als Retter der Netzfreiheit. Das ist nur die halbe Wahrheit - denn sie verdienen selbst an der Onlinepiraterie.
Ein schwarzer Tag ist heute für Schüler in den Vereinigten Staaten: Das Netzlexikon Wikipedia, sprudelnder Quell für Hausarbeiten und Referate, geht aus Protest vom Netz. "Meinungsfreiheit im Internet", fordern die Macher.
Es fallen derzeit große Worte: Freiheit, Zensur, Schutz der Bürgerrechte. Sie werden laut, weil der US-Kongress derzeit über Gesetze diskutiert, die Urheberrechtsinhabern scharfe Waffen an die Hand geben sollen - und die zum Vorbild für andere Staaten werden könnten. Die pathetische Wortwahl offenbart die Dimension des Konflikts: Hier tobt ein Machtkampf - zwischen denen, die die Inhalte produzieren, und denen, die sie in der neuen Welt verbreiten.
Konzerne wie Google, Facebook und Twitter erheben sich zum Kämpfer für die Freiheit im Netz, die angeblich durch die Politik, Filmstudios und Musiklabels bedroht ist. Dabei geht es ihnen gar nicht so sehr um Bürgerrechte. Es geht auch um ihr Geschäftsmodell.
Solange Nutzer illegal kopierte Filme, Bücher und Musik bei Suchmaschinen finden und über soziale Netzwerke verbreiten können - und daneben sogar Werbung geschaltet werden kann -, so lange müssen sich die Netzkonzerne vorwerfen lassen, an Raubkopien zu verdienen. Sie haben dafür das Prinzip der Verantwortung für das Urheberrecht umgedreht: Nicht mehr der Verbreiter steht in der Pflicht. Vielmehr sollen inzwischen die Rechteinhaber selbst illegale Inhalte bei den Suchmaschinen, Blogportalen und sozialen Netzwerken melden, damit diese die Raubkopieverweise dann entfernen. Bis dahin können die Unternehmen mit jedem Klick Werbegelder kassieren.
Die nun debattierten US-Gesetzesentwürfe namens Sopa und Pipa sind der bisher weitreichendste Versuch, dagegen vorzugehen. Die Geschädigten könnten dann womöglich sogar Seiten komplett abschalten lassen. Die Verantwortung und die Arbeit lägen dann plötzlich wieder bei den Inhalteverbreitern.
Nun gehen die Gesetzesvorschläge in der Tat an einigen Stellen zu weit und sind überdies technisch auszuhebeln. Die Grundfrage aber ist berechtigt: Wie lassen sich Urheberrechte im Netz besser schützen und Verstöße besser verfolgen? Darauf bleiben Unternehmen wie Facebook, Google und auch die nicht kommerzielle Wikipedia weiter eine Antwort schuldig.
  • Aus der FTD vom 18.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 18.01.2012 13:05:43 Uhr   jansalterego: *räusper*

    Gerade Wikipedia hat sich hier nichts vorzuwerfen, zumal dort bei der Frage von Urheberrechtsverletzungen bspw. durch Bilder die Grenze eher zu früh als zu spät gezogen wird. Als nichtkommerzielles Angebot kann sich Wikipedia den Pathos in der Wortwahl sehr wohl leisten, und steht darüberhinaus nicht in der Pflicht irgendeine Antwort auf die von Ihnen formulierte - und im übrigen kreuzblöde - Grundfrage zu finden.

    Kreuzblöd ist die Frage, weil Rechteinhaber seit Jahren versuchen, ihre schrumpfenden Pfründe durch Lobbyismus und Abmahnwahn zu sichern, obwohl ihre Verluste - inzwischen zumindest für die Musikindustrie nachweislich - nicht auf Urheberrechtsverletzung basieren. Hier wird künstlich ein Geschäftsmodell am Leben erhalten, das längst überholt ist. Und anstatt schön neoliberal den Markt wirken und die Rechteinhaber(idR ja ohnehin nicht die eigentlichen Urheber) im Zweifel untergehen zu lassen, wird hier nach mehr Regulierung gerufen. Erstaunlich.

    Dass die Beschwerden von Google und Facebook nur Lobbyismus aus der anderen Richtung darstellt, stimmt zwar. Aber es ist eben ein solcher, von dem die Allgemeinheit profitiert. Und das kommt so selten vor, dass man es schon deswegen nicht allzu verwerflich finden kann.

  • 18.01.2012 10:53:59 Uhr   David H.: Verdienen an der Piraterie
  • 18.01.2012 10:45:21 Uhr   GMS: Kern des Problems
  • 18.01.2012 10:13:53 Uhr   Strichnid: Unglaublich reaktionär
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